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In die Luft schreiben – Der Airwriting-Handschuh

23.04.2013, von , in Karte anzeigen

Christoph Amma schreibt mit dem Airwriting-Handschuh in die Luft (Foto: KIT)

Christoph Amma schreibt mit dem Airwriting-Handschuh in die Luft (Foto: KIT)

Wer durch eine belebte Fußgängerzone geht, sieht überall Menschen, vorwiegend Jugendliche, die während des Gehens irgendetwas ins Smartphone tippen, eine SMS an die Freundin, einen bestimmten Suchbegriff bei Google. Der Blick ist nach unten gerichtet und so kommt es häufig, dass diese Smartphone-Süchtigen mit anderen Passanten kollidieren.
Am Institut für Anthropomatik am KIT in Karlsruhe arbeiten Forscher an einer neuen Schnittstelle zwischen Mensch und Computer, an einer neuen Bedienungstechnik, die nicht alle Aufmerksamkeit des Benutzers aufs Smartphone richtet: einem Airwriting-Handschuh.

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Anja Braun testet den Airwriting-Handschuh; links im Bild der Entwickler Christoph Amma (Foto: SWR)

Unsere Durchblickerin Anja Braun besucht das neue Institut für Anthropomatik in Karlsruhe, das in der alten Kinderklinik untergebracht ist. In einem kleinen Raum tüftelt dort der Diplominformatiker Christoph Amma an dem neuen Techniktool, dem Airwriting. Ausgestattet mit einem Sensorhandschuh kann man Buchstaben einfach in die Luft schreiben, ein Rechner gibt sie dann als Text aus.

Amma macht deutlich, dass das Tool in Zukunft die Handhabung von Smartphones erheblich vereinfachen könnte. Im Moment erfordern solche Eingabegeräte wie Smartphones das manuelle Tippen auf virtuellen Minitastaturen, das manchmal anstrengend ist und die ganze Konzentration des Nutzers erfordert. Die Airwritingtechnik erlaubt es hingegen, in die Luft zu schreiben wie auf eine unsichtbare Tafel oder einen Block, und so kann man dann auf einfache Weise sein Smartphone steuern oder es mit  Informationen füttern.

Airwriting-Handschuh Marke Eigenbau (Foto: SWR)

Airwriting-Handschuh Marke Eigenbau – noch ein Prototyp, der allerdings die Smartphonewelt revolutionieren könnte. (Foto: SWR)

Der Handschuh ist selbst gebastelt, er besteht aus Kunstleder und verfügt über  einen kleinen würfelförmigen Drehraten- und Beschleunigungssensor plus Batteriefach. Diese Sensoren erfassen –so Amma- die Bewegungen der Hand und leiten sie mittels Bluetooth an den Computer weiter, der sie in geschriebene Buchstaben umwandelt.
Da sich der Handschuh in der Erprobungsphase befindet, gilt es als Nutzer einige Dinge zu beachten: Man muss in großen Druckbuchstaben schreiben und man muss auf der Stelle schreiben, was nicht ganz einfach ist.

Christoph Amma tüftelt noch weiter an der Verbesserung des Airwriting-Handschuhs (Foto:SWR)

Christoph Amma tüftelt noch weiter an der Verbesserung des Airwriting-Handschuhs (Foto:SWR)

Anja Braun zieht den Handschuh an und schreibt „Aluminium“ in die Luft, der Computer erkennt das Wort, dichtet aber noch etwas Falsches hinzu. Momentan habe das System noch eine Wortfehlerrate von cirka 11 Prozent, sagt Amma, die sinke aber rapide, wenn man es an die individuelle Schreibart eines Nutzers anpasse. Die Mustererkennung ist also noch zu verbessern, ebenso wie der Tragekomfort des Handschuhs. An beiden Dingen wird noch kräftig gearbeitet. Das System kann derzeit übrigens Sätze erkennen, die wiederum auf einem Vokabular von 8000 Wörtern basieren.

Danach erkundigt sich Anja Braun bei einigen Studenten, wie die diese Technologie einschätzen. Es gibt ein Pro und Contra: Die einen finden es gut, wenn sie mühelos ihr Smartphone mit dem Airwriting steuern könnten, andere schätzen sich als altmodisch ein, weil sie den Touchscreen besser finden.

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