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Onkologische Trainingstherapie – Sport gegen Krebs

09.04.2013, von , in Karte anzeigen

Das Sporttraining hat macht den Teilnehmern sichtlich Spaß

Das Sporttraining hat macht den Teilnehmern sichtlich Spaß

Ein gutes Dutzend Krebspatienten powert sich in einem Fitnessraum beim Training so richtig aus. Noch bis vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen. Da war man überzeugt: Wer Krebs hat, muss sich ruhig halten und schonen. Heute ist erwiesen, dass Sport viele positive Effekte auf Krebspatienten hat. Offen ist allerdings noch die Frage, welches Training in welcher Intensität am besten bei der jeweiligen Krebserkrankung hilft. Daran forschen Onkologen der Kölner Uniklinik gemeinsam mit Wissenschaftlern der Deutschen Sporthochschule in einem bundesweit einzigartigen Projekt. Sie bieten seit November vergangenen Jahres die Onkologische Trainingstherapie an. Durchblicker-Reporter Tobias Jobke hat sie sich angeschaut.

Eva Schmitz auf Ergometer, Tobias Jobke interviewt Dr. Freerk Baumann

Eva Schmitz auf Ergometer, Tobias Jobke interviewt Dr. Freerk Baumann

Eva Schmitz machte gerade ein Praktikum in Australien, als sie nach einer Erkältung plötzlich eine Schwellung am Hals feststellte. Nach ihrem Rückflug in die Heimat ging die Studentin sofort in die Kölner Uniklinik. Die Ärzte stellten bei ihr das Non-Hodgking-Lymphom fest, sprich Lymphknotenkrebs. Eva Schmitz musste stationär im Krankenhaus bleiben, es folgte die erste Chemotherapie. Danach erzählte ihr behandelnder Arzt von der Onkologischen Trainingstherapie, einem Sportprogramm für Krebspatienten, das die Uniklinik in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule in Köln anbietet. Die Patienten können für sie kostenlos ihre körperliche und seelische Verfassung beim Trainieren verbessern und tun gleichzeitig etwas Gutes für die Wissenschaft: Ihre Trainingsergebnisse fließen in Studien der Deutschen Sporthochschule ein, mit dem Ziel individuelle Trainingspläne für Krebspatienten in ganz Deutschland zu entwickeln.

Neben Eva Schmitz nutzen noch gut 200 andere Krebspatienten die Onkologische Trainingstherapie regelmäßig. Sie schätzen nicht nur die positiven Effekte auf Körper und Gemütszustand, sondern auch den gegenseitigen Austausch über ihre Krankheit. Die Trainingsfläche an der Uniklinik ziehen sie einem gewöhnlichen Fitnessstudio vor, weil Menschen mit wenigen bis keinen Haaren oder Perücke dort nicht schief angeschaut werden.

Therapeuten der Sporthochschule Köln betreuen die Krebspatienten  während des Trainings

Auf einer Chipkarte werden die inividuellen Trainingsdaten gesammelt

Auf einer Chipkarte werden die inividuellen Trainingsdaten gesammelt

Die Ärzte raten den Patienten unabhängig von ihrer Krebserkrankung, so früh wie möglich nach der Diagnose mit dem Training zu beginnen – auch unmittelbar nach einer Operation oder Chemotherapie. Ein neuer Ansatz sieht sogar vor, Krebspatienten noch vor ihrer Operation oder Chemotherapie zu trainieren, damit sie mit den Nebenwirkungen besser fertig werden. Bevor das erste Mal gestrampelt, gedrückt oder gelaufen wird, muss sich jeder Patient jedoch erst einmal gründlich untersuchen lassen. Anschließend erhält er einen individuell zugeschnittenen Trainingsplan. Vor und nach dem Training checkt jeder Patient mit einer eigenen Chipkarte ein bzw. aus, auf der die individuellen Trainingsdaten gesammelt werden, die die Onkologen und Sportwissenschaftler anschließend auswerten.

Auf der Trainingsfläche haben die Patienten die Wahl zwischen verschiedenen medizinischen Spezialgeräten zum Kraft- und Ausdauertraining. Die Trainer sind speziell ausgebildete Therapeuten der Deutschen Sporthochschule Köln, die sich mit den Ärzten der Uniklinik über Trainingsziele und –erfolge der Patienten abstimmen und die Trainingspläne entsprechend anpassen.

Wissenschaftler wollen für jede Krebserkrankung einen standardisierten Trainingsplan erarbeiten

Therapeuten der Sporthochschule übernehmen die Betreuung der Teilnehmer

Therapeuten der Sporthochschule übernehmen die Betreuung der Teilnehmer

Mit Hilfe der klinischen und trainingsrelevanten Daten, die von den Patienten gesammelt werden, sollen für jede Krebserkrankung standardisierte Trainingspläne erstellt werden. Einem Patient en mit Prostatakrebs bedingter Inkontinenz empfehlen die Wissenschaftler etwa, durch Kraft- und Ausdauertraining gezielt seinen Beckenboden zu trainieren – langfristig für etwa ein Jahr. Eine operierte Brustkrebspatientin dagegen könnte durch Krafttraining ihr operiertes Gewebe gezielt stärken – mit einem Sportprogramm zwischen acht und zwölf Wochen. Ziel der Wissenschaftler an der Kölner Uniklinik und Sporthochschule ist, dass solche Trainingspläne für alle Krebserkrankungen in Zukunft bundesweit angeboten und ins Programm der Krankenkassen aufgenommen werden.

Die wissenschaftlichen Studien im Rahmen der Onkologischen Trainingstherapie sind zwar erst am Anfang, dennoch gibt es bereits Ergebnisse: Krebspatienten, die regelmäßig trainieren, sind körperlich und psychisch in einer besseren Verfassung: Auf der einen Seite hilft ihnen der Sport, leistungsfähiger zu werden, Muskelabbau zu verhindern und Nervenschäden schneller zu regenerieren. Auf der anderen Seite sind die Patienten weniger depressiv, leiden nach Chemotherapien nicht so sehr unter der durch das Fatigue-Syndrom bedingten Müdigkeit und können sich besser konzentrieren. Auch Eva Schmitz geht es heute durch die Onkologische Trainingstherapie besser. Sie hätte im Nachhinein gerne viel früher mit dem Training angefangen.

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Kommentare zu „Onkologische Trainingstherapie – Sport gegen Krebs“

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  1. Peter Sieverth
    schreibt am 10. April 2013 16:46 :

    Das ist eine gute Sache. Gerade bei einer solchen Erkrankung ist aktive Betätigung wichtig. Die gezielte aktive sportliche Betätigung ist für die Betroffenenen auch eine Möglichkeit, selbst etwas
    zur Heilung beizutragen.

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