. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Lebensrettende Technik – Der Siegeszug der Herz-Lungen-Maschine

25.03.2013, von , in Karte anzeigen

 

Herz-Operation - erst möglich die Herz-Lungen-Maschine

Herz-Operation – erst möglich die Herz-Lungen-Maschine

Vor rund 60 Jahren setzte man bei Herzoperationen in den USA zum ersten Mal eine Maschine ein, die dank moderner Medizintechnik und Wissenschaft einen Quantensprung verursachen sollte: Die Herz-Lungen-Maschine. Sie ermöglicht bis heute Operationen am offenen Herzen. Weil sie die Pumpfunktion des Herzens und die Atemfunktion der Lunge übernimmt, können Ärzte das Herz still stehen lassen, es aufschneiden und Löcher in der Herzscheidewand schließen, undichte Herzklappen reparieren oder sie durch künstliche ersetzten. Techniken, die noch vor 20 Jahren undenkbar schienen, sind heute Routine. Sie sind so „alltäglich“ geworden, dass die Universitätsklinik Tübingen sogar Journalisten bei einer Operation zugelassen hat. Und so stand unsere Reporterin Ulrike Mix mit Mundschutz im OP, als bei der 25.000sten Operation mit Herz-Lungen-Maschine eine undichte Herzklappe genäht wurde.

Das OP-Team bei der Arbeit

Das OP-Team bei der Arbeit; links mit Stirnleuchte Professor Christian Schlensak

Eine 66jährige Patientin liegt auf dem Operationstisch unter blauen Tüchern. Nur der rechte Brustkorb ist zu sehen. Mit einem etwa zehn Zentimeter langen Schnitt unterhalb der rechten Brust wird der Brustkorb geöffnet. Von dort arbeitet sich Herzchirurg Professor Christian Schlenksak bis zum Herz der Patientin vor. Bevor es geöffnet wird, wird es mit einer Kaliumlösung zum Stillstand gebracht. Die Herz-Lungen-Maschine übernimmt jetzt die lebenswichtige Versorgung des Körpers mit Sauerstoff. Ein dicker Schlauch bringt Blut aus einer großen Vene zur Pumpe – dann wird es mit Sauerstoff angereichert und zurückgeführt in eine Arterie.

Kardiotechniker Walter Jost sitzt vor der Herz-Lungen-Maschine

Kardiotechniker Walter Jost sitzt vor der Herz-Lungen-Maschine

Vor 60 Jahren musste man den Körper des Patienten vor einer Herz-Op erst umständlich abkühlen und konnte dann nur in sehr kurzer Zeit Eingriffe durchführen, die auf keinen Fall kompliziert sein durften. Das hat sich durch die Herz-Lungen-Maschine grundlegend geändert, sie hat die Herzchirurgie revolutioniert.

Um nachvollziehen zu können, wie die Ärzte die beschädigte Klappe nähen, verlässt die Reporterin den Operationssaal und kann selbst an einer „Puppe“, die während der Ausbildung der Mediziner zum Einsatz kommt, einen ähnlichen Eingriff vornehmen.

Reporterin Ulrike Mix näht an einem Skeltee mit Schaumstoffherzklappe

Reporterin Ulrike Mix näht an einem Skeltee mit Schaumstoffherzklappe

Die „Puppe“ ist ein Skelett, in das eine Herzklappe aus rosa Schaumstoff gelegt wurde. Zwischen zwei Rippen hindurch führt Ulrike Mix eine lange Pinzette in die Puppe ein. Mit ihr wird eine winzige gebogene Nadel gehalten, die aussieht wie ein Angelhaken. Die Reporterin sticht in den Schaumstoff. Nur mit Mühe schafft sie es, die Nadelspitze wieder auftauchen zu lassen. Eine echte Herzklappe wäre jetzt kaputt.

Währenddessen hat im Operationssaal das Ärzteteam die echte Herzklappe erfolgreich repariert. Der Brustkorb ist wieder zugenäht. Noch einmal wird es spannend: Das Blut wird wieder ins Herz zurück geleitet und bringt es zum Schlagen. Ein Eingriff, der so vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen wäre, ist zu Ende.

Wissenschaft und Technik haben die Herz-Lungen-Maschine immer weiter optimiert und verändert, es gibt neuerdings kleine Varianten dieser Maschine, die beim Transport eines Organs, das transplantiert werden soll, dieses mit Sauerstoff versorgen.

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019