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Erdbebentapete – Stützstrümpfe für gebrechliche Mauern

25.02.2013, von , in Karte anzeigen

Moritz Urban, Entwickler der Tapete und Mitarbeiter am Institut für Massivbau und Baustofftechnologie an der Universität Karlsruhe/ KIT

Moritz Urban, Entwickler der Tapete und Mitarbeiter am Institut für Massivbau und Baustofftechnologie an der Universität Karlsruhe/ KIT im Interview

Wenn Häuser durch ein Erdbeben erschüttert werden, geht meist alles ganz schnell: Innerhalb von Sekunden lösen sich Gebäudeteile, Mauern stürzen ein und versperren Fluchtwege oder verschütten gar Menschen unter sich. Älteren Gebäuden mit gemauerten Wänden, denen es am notwendigen Erdbebenschutz mangelt, soll jetzt eine Entwicklung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) helfen. Forscher aus dem Bereich Baustofftechnologie haben eine Erdbebenschutztapete entwickelt, die wie eine Haushaltstapete aufgeklebt werden kann und Mauern so stabilisiert, damit sich Menschen aus einem Gebäude retten können.

Die Tapete besteht aus einer Mischung von Glasfasern und dem Kunststoff Polypropylen

Die Tapete besteht aus einer Mischung von Glasfasern und dem Kunststoff Polypropylen, in vier Faserrichtungen

Durch die sehr zugfeste, steife Glasfaserkomponente des Gewebes, das quasi in den Putz eingelassen ist, kann das Mauerwerk die höheren Zugspannungen besser abtragen, die während eines Erdbebens auftreten. Es wird so verhindert, dass punktuelle Schäden entstehen, die zu Rissen auswachsen. Sollten bei starken Beben die Glasfasern dennoch reißen, halten die elastischen Fasern aus dem Kunststoff Polypropylen die zerbrochenen Wandsegmente zusammen und somit die Fluchtwege frei.

Wenn man die kritischen Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen oder Altenheime verstärkt, wäre im Katastrophenfall eine Menge erreicht

Wenn man kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen oder Altenheime verstärkt, wäre im Katastrophenfall eine Menge erreicht

Entsprechend wichtig ist es, dass vor allem öffentliche Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser oder Altersheime so gebaut sind, dass die Menschen Zeit haben, ins Freie zu gelangen. Dank der Verstärkung mit der Erbebentapete kann das Einstürzen von Mauerwerk bei Erdbeben verzögert und im Idealfall ganz verhindert werden. Durch die Einfachheit des Systems, das wie ein prophylaktischer Verband am Gebäude wirkt, kann man es mit vertretbarem Aufwand bei der nächsten Gebäudesanierung in Kombination mit einer Wärmedämmung anbringen.

 

Zusammen mit einem Hersteller für technische Gewebe wurde das Hightech-Gewebe bis zur Serienreife entwickelt

Zusammen mit einem Hersteller für technische Gewebe wurde das Hightech-Gewebe bis zur Serienreife entwickelt

Der Stützverband soll vor allem ältere Gebäude nachträglich und auf kostengünstige Weise sichern und damit Kommunen und privaten Hausbesitzern eine finanzierbare Option eröffnen. Jahrelang haben die Forscher am Institut für Massivbau gebraucht, um ein effizientes Material zu entwickeln, jetzt haben sie ein Patent dafür angemeldet. Zum Einsatz kam die Erdbebentapete inzwischen schon in einer Grundschule in Norditalien. Langfristig forscht das Team am KIT an Systemen, die nicht nur für gemauerte Wände, sondern auch für Betongebäude sinnvoll eingesetzt werden können.

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