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Napoleons Soldaten

18.02.2013, von , in Karte anzeigen

In der Anthropologie der Uni Göttingen werden Knochen von Soldaten Napoleons untersucht

In der Anthropologie der Uni Göttingen werden Knochen von Soldaten Napoleons untersucht

Im Winter 1813/14 waren Zehntausende Soldaten auf dem Rückzug von der Völkerschlacht bei Leipzig. Napoleon hatte den Krieg gegen Preußen, Russland und Österreich verloren, jetzt wollten seine Soldaten nur noch eins: Nach Hause. Viele von ihnen stammten aus den Niederlanden, Luxemburg und Belgien, Gebiete, die Napoleon besetzt hatte und deren Soldaten ihn begleiteten.  Auf ihrem Rückzug strandeten einige von ihnen in Kassel.

 

Die sterblichen Überreste stammen aus einem Massengrab in Kassel und sind rund 200 Jahre alt

Die sterblichen Überreste stammen aus einem Massengrab in Kassel und sind rund 200 Jahre alt

Knapp 200 Jahre später, im Jahre 2008, entdeckten Bauarbeiter auf dem Gelände der Kasseler Uni über 100 Skelette in einem Massengrab. Erst wusste niemand mit ihnen etwas anzufangen, die meisten der sterblichen Überreste wurden auf einem Friedhof beigesetzt. Aber ein paar Knochen landeten auf den Untersuchungstischen der Anthropologen der Uni Göttingen. Und die sorgten dafür, dass auch die anderen Skelette exhumiert wurden. Seit 2012 nun untersuchen die Forscher die Knochen.

 

Warum starben so viele Soldaten Napoleons ausgerechnet in Kassel, weit weg von den Schlachtfeldern des Napoleonischen Kriegs?

Warum starben so viele Soldaten Napoleons ausgerechnet in Kassel, weit weg von den Schlachtfeldern des Napoleonischen Kriegs?

Sie versuchen zu rekonstruieren, woran die Soldaten Napoleons starben, so weit weg von den Schlachtfeldern des Krieges. Und sie wollen heraus finden, wie diese Soldaten damals lebten, ob sie gut ernährt waren etc. Dabei untersuchen Dr. Birgit Großkopf und ihr Team jedes Skelett einzeln. Winzige Rillen auf den Oberschenkelknochen beweisen, dass die Soldaten unter Mangelernährung litten. Bei einigen Knochen entdeckten die Forscher sogar die DNA von Bakterien, die eine bestimmte Art von Typhus hervorrufen. Es ist also klar, dass Napoleons Soldaten  auf ihrem Rückzug ein elendes Leben führten. In Kassel gestrandet siechten sie vielleicht in einem Lazarett dahin und starben schließlich an einer Typhus-Epidemie. Aber noch sind nicht alle Skelette untersucht, jeder Knochen kann vielleicht noch viel mehr Überraschendes erzählen, über die Zeit vor 200 Jahren, als ganz Deutschland vom Krieg überzogen wurde. Und über Napoleons späte Opfer: Seine eigenen Soldaten.

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