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Schiffsbohrwurm ahoi! Wer zerfrisst die Wracks in Nord- und Ostsee?

21.01.2013, von , in Karte anzeigen

Der Meeresbiologe Kai Hoppe hat seine Abstellkammer zum Labor umgebaut

Der Meeresbiologe Kai Hoppe hat seine Abstellkammer zum Labor umgebaut

Wenn einmal der Wurm drin ist, macht das keinem Freude – ganz besonders nicht Archäologen, denen Holzwürmer ein Graus sind. Sogar unter Wasser treiben kleine Tiere ihr Unwesen, die von Holz gar nicht genug kriegen können. So manches Schiffswrack von hohem archäologischen Wert wurde vom sogenannten Schiffsbohrwurm zum Zerfallen gebracht. Das hat dazu geführt, dass Archäologen, die ein Wrack finden, sich erst einmal besorgt die Frage stellen, ob der Wurm drin ist – oder eben nicht.

 

Mayke Walhorn war bei dem Meeresbiologen Kai Hoppe, der das Holz auf Schädlingsbefall untersucht und sein Haus mit vielen Tausenden solcher Schiffsbohrwürmer teilt.

Seine Abstellkammer hat der Biologe umfunktioniert in ein Labor voller Aquarien. Hier züchtet er Schiffsbohrwürmer, um ihr Verhalten und ihre Vorlieben zu beobachten.  Eigentlich sind die Tiere gar keine Würmer – sie gehören zu den Muscheln. Aber ihr in der Regel bis zu 20cm langer Körper, der sich durch Wracks, Stege und Buhnen bohren kann, erinnert äußerlich stark an einen Wurm.

Der Schiffsbohrwurm in Nahansicht

Der Schiffsbohrwurm in Nahansicht

Für das Archäologische Landesamt in Schleswig Holstein hat Kai Hoppe schon häufiger gearbeitet. Diesmal geht es um die Untersuchung  eines Schiffswracks, der Lindormen.

Das ehemalige dänische Kriegsschiff ist vor fast 370 Jahren vor Puttgarden  gesunken und ein historisch bedeutendes Kulturdenkmal, dass Archäologen schützen wollen. Bei den Untersuchungen in den letzten Jahren fiel aber auf, dass das Wrack starke Fraßspuren im Holz aufwies, vermutlich vom Schiffsbohrwurm.

Wie stark ist der Befall wirklich? Handelt es sich bei dem Schädlingsbefall tatsächlich um den  Schiffsbohrwurm und was kann gegen weitere Schädigungen getan werden?

Kai Hoppe untersucht Holz unter dem Mikroskop

Kai Hoppe untersucht Holz unter dem Mikroskop

Der Meeresbiologe Hoppe möchte diese Fragen beantworten. Dafür untersucht er Holzproben, die Forschungstaucher ihm von der Lindormen mitgebracht haben. Er lagert diese in Meerwasser-Aquarien, damit die Schädlinge im Holz überleben und nachweisbar bleiben.

Schon im Wasser lassen sich eindeutig einige Schiffsbohrwürmer entdecken:  An mehreren Stellen des Holzes  sind ihre röhrenartigen Atem-Rüssel zu sehen, die sie aus dem Holz heraus ins Wasser halten. Um sicher zu gehen, fertigt Hoppe mit seiner Kreissäge mehrere Querschnitte der Holzstücke an, die er daraufhin unter dem Mikroskop untersucht.

Der Biologe präsentiert dem Archäologen sein Untersuchungsergebnis

Der Biologe präsentiert dem Archäologen sein Untersuchungsergebnis

Dann eine unerwartete Entdeckung:

In den Querschnitten lassen sich ganz deutlich Fraßgänge von Tieren erkennen, die sehr viel kleiner als der Schiffsbohrwurm sein müssen.

 

Die Assel Limnoria

Die Assel Limnoria

Unter dem Mikroskop dann die Auflösung: Im Holz leben Hunderte von unerwarteten anderen Schädlingen: Viel stärker als vom Schiffsbohrwurm ist das Wrack der Lindormen von einer offenbar sehr gefräßigen Assel befallen…

 

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