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Experiment im Fahrsimulator: SMS schreiben bei Gegenverkehr

14.01.2013, von , in Karte anzeigen

Im Fahrsimulator wird getestet, wie sehr sich Aeneas Rooch von "Nebentätigkeiten" ablenken lässt

Im Fahrsimulator wird getestet, wie sehr sich Autofahrer wie Aeneas Rooch von „Nebentätigkeiten“ ablenken lassen

Wenn sich Autofahrer nicht auf den Verkehr konzentrieren, sondern eine Wegbeschreibung lesen, etwas in der Tasche suchen oder eine SMS schreiben, drohen schwere Unfälle. An der Bundesanstalt für Straßenwesen wollen Psychologen herausfinden, wie sehr solche Nebentätigkeiten das Fahrverhalten tatsächlich beeinflussen. Durchblicker-Reporter Aeneas Rooch hat sie in Bergisch Gladbach besucht und sich in einem Versuch selbst ans Steuer gesetzt.

Wie ein großes Kino: Der Fahrsimulator

Wie ein großes Kino: Der Fahrsimulator

Experimente, bei denen Autofahrer im echten Straßenverkehr abgelenkt werden, wären zu gefährlich, außerdem brächten sie wenig wissenschaftliche Erkenntnis, denn damit aus den Versuchen ein Fazit gezogen werden kann, müssen sie unter gleichen Bedingungen stattfinden – nur dann kann man verschiedene Fahrten miteinander vergleichen. Der Versuch findet also nicht auf einer realen Straße in einem echten Auto statt, sondern im Fahrsimulator. Hier kann jeder Versuchsteilnehmer exakt die gleiche Strecke mit dem gleichen Verkehr abfahren, außerdem kann die Fahrt in allen Einzelheiten – Lenkradposition, Geschwindigkeit, Bremsen, Blinken, die Position und Geschwindigkeit der anderen Verkehrsteilnehmer – aufgezeichnet werden.

 

Video: Fahrt mit dem Fahrsimulator
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Der Fahrsimulator der Bundesanstalt für Straßenwesen ist ein kleines Kino, in dessen Mitte die halbe Fahrgastzelle eines gewöhnlichen Mittelklasse-PKW steht: Fahrersitz, Beifahrersitz, Lenkrad, Cockpit, Gas- und Bremspedal, der Rahmen der Windschutzscheibe und ein Teil der Motorhaube. Vor und neben dem Auto sind große Leinwände gespannt, auf die drei Beamer eine Straßenlandschaft projizieren. Drückt man auf das Gaspedal und bewegt das Lenkrad, setzt sich die Landschaft, berechnet von 11 Computern in Nebenraum, entsprechend in Bewegung. In Rück- und Seitenspiegel zeigen kleine Monitore den Blick nach hinten.

An das Fahren im Fahrsimulator muss man sich erst mal gewöhnen

An das Fahren im Fahrsimulator muss man sich erst mal gewöhnen

An das Fahren im Simulator muss man sich erst gewöhnen; denn obwohl er aus der Sicht des Fahrers aussieht wie ein echtes Auto und auch so gesteuert wird, obwohl ein Motor beim Lenken der Bewegung entgegensteuert und so ein realistisches Lenkgefühl vermittelt und obwohl ein 3D-Soundsystem die Geräusche des Straßenverkehrs simuliert und sogar der Sitz leicht vibriert, bewegt sich letzten Endes nicht das Fahrzeug, sondern nur das Bild auf der Leinwand. Einigen Probanden wird dabei schlecht. Tatsächlich wird Reporter Aeneas Rooch beim Abbiegen anfangs flau im Magen, doch mit der Zeit gibt sich das mulmige Gefühl.
Um zu untersuchen, wie stark ihn Nebentätigkeiten beim Fahren ablenken, muss der Reporter durch verschiedene Verkehrsszenarien fahren – zum Beispiel über eine kurvige Landstraße mit Gegenverkehr oder durch eine lebhafte Innenstadt – und dabei auf einem Tastenfeld in der Mitte der Fahrzeugkonsole eine Ziffernfolge abtippen, ähnlich dem Schreiben einer SMS. Für jede Ziffernfolge hat er 10 Sekunden Zeit, während er gleichzeitig das Fahrzeug in der Spur halten und auf Gegenverkehr oder Fußgänger reagieren muss.

Im Kontrollraum findet die Auswertung statt

Im Kontrollraum findet die Auswertung statt

Nach 20 Minuten werten Versuchsleiterin Angelika Müffeler-Römer und Psychologe Markus Schumacher, der Leiter der Studie, die Fahrt von Aeneas Rooch aus. Obwohl der Reporter das Gefühl hat, unsicher und chaotisch gefahren zu sein, hat er das Fahrzeug aus Sicht der Experten sehr gut gesteuert, und die Aufzeichnungen zeigen, was auch in anderen Versuchen erkennbar ist: Ist der Verkehr heikel, etwa bei Gegenverkehr oder unübersichtlichen Kurven, bearbeiten Fahrer weniger Nebenaufgaben, konzentrieren sich also mehr auf den Verkehr; erst wenn die Situation sich wieder beruhigt, etwa auf gerader Strecke, wenden sie sich wieder verstärkt der ablenkenden Aufgabe zu.

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