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Brainpainting – Malen mit dem Gehirn

07.01.2013, von , in Karte anzeigen

Komplett gelähmt sein, sich nicht bewegen können und ans Haus oder sogar nur ans Bett gefesselt sein – so geht es beispielsweise Menschen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS): Bei der Krankheit sterben Nerven, die die Muskeln aktivieren. Irgendwann können die Patienten ihren Körper nicht mehr steuern, sich nicht mehr bewegen, obwohl sie geistig eigentlich noch fit sind. Locked-In-Zustand nennen das Mediziner.

Um ohne Hände, Tastatur und Maus ein Kunstwerk zu schaffen, messen die Würzburger Psychologen die Hirnströme ihrer Probanden

Um ohne Hände, Tastatur und Maus ein Kunstwerk zu schaffen, messen die Würzburger Psychologen die Hirnströme ihrer Probanden

Damit die Patienten trotzdem noch mit ihrer Umwelt kommunizieren können, gibt es Gehirn-Computer-Schnittstellen, mit deren Hilfe die Patienten sich ausdrücken  können. Forscher an der Universität Würzburg gehen noch einen Schritt weiter: Sie wollen nicht nur Kommunikation ermöglichen, sondern auch eine kreative Betätigung: Malen mit dem Gehirn – Brainpainting.

Mit einer bademützenähnlichen Kappe werden acht Elektroden am Kopf der Maler befestigt. Dann fixiert der Brainpainter Symbole auf einem Computerbildschirm. Immer ein bestimmtes. Gleichzeitig laufen kleine weiße Einstein-Portraits wie Blitzlichter über den Monitor. Immer wenn Einstein das ausgewählte Symbol überdeckt, registriert das EEG die Reaktion im Gehirn. So erkennt der Computer, auf welches Symbol der Maler sich gerade konzentriert.

Hinter den Symbolen verbergen sich die Steuerungsbefehle, die der Maler dem Computer geben kann

Hinter den Symbolen verbergen sich die Steuerungsbefehle, die der Maler dem Computer geben kann

Warum es unbedingt Einstein sein muss? Es könnten auch andere Signalbilder sein, erklärt Psychologie-Doktorandin Elisa Holz. Allerdings kennt das Einstein-Portrait mit der herausgestreckten Zunge fast jeder. Und Gesichter erkennt unser Gehirn besonders schnell. Somit macht Einstein die Gehirn-Computer-Schnittstelle besonders effektiv.

Bei meinem Selbstversuch schaffe ich es in einer knappen halben Stunde gerade einmal, ein paar bunte Standard-Formen auf die Leinwand, sprich den Computerbildschirm, zu bringen. Doch unter den Patienten, die die Würzburger Psychologen betreuen, sind schon echte Profis, beschreiben mir die Brainpainting-Experten Elisa Holz. Sie betreut momentan mehrere Patienten, die zuhause mit der Uni-Technik malen und dabei wahre Kunstwerke gestalten.

Blumenstrauß, mit Gedankenkraft gemalt von Heide Pfützner

Ähnlich wie bei den bekannten Computer-Zeichenprogrammen können Formen wie Kreise oder Rechtecke, Farben und Größen ausgewählt werden – hier ein Bild von einem Blumenstrauß

Trotzdem: Es ist faszinierend, wie nach ein paar technischen Einstellungen Formen und Farben wie durch Zauberhand auf die Leinwand kommen. Und auch wenn die punktgenaue Konzentration wirklich anstrengend ist und man sich als Neu-Künstler erst einmal daran gewöhnen muss, jeden „Handgriff“ durch einen Augen-Hirn-Befehl an den Computer zu vermitteln: Psychologie, IT und Kunst in einem, zur Verbesserung der Lebensqualität – so macht Wissenschaft Sinn und Spaß.

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