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Wie die Versuchs-Kläranlage Schwerte Medikamentenrückstände filtert

11.12.2012, von , in Karte anzeigen

Pilotprojekt: Die großtechnische Versuchsanlage der Kläranlage Schwerte

Pilotprojekt: Die großtechnische Versuchsanlage der Kläranlage Schwerte

Toilettenpapier, Putzmittel, Shampoo und Fäkalien: Alles, was wir in Dusche, Waschbecken oder Toilette abspülen, muss wieder gereinigt werden. Das geschieht in Kläranlagen. Problematisch sind jedoch so genannte Mikro-Verunreinigungen, vor allem Medikamenten-Rückstände. Und davon gelangen viele – auf dem Umweg Mensch und Toilette – ins Abwasser. In einer Versuchs-Kläranlage in Schwerte sollen auch diese Medikamentenrückstände rausgefiltert werden. Reporterin Stephanie Grimme hat sich die Versuchsanlage einmal angeschaut.

Was diese Medikamentenrückstände bewirken ist nicht hundertprozentig geklärt. Möglichweise sind Antibiotika-Resistenzen darauf zurückzuführen. Und es wird vermutet, dass durch die Rückstände von Antibabypillen eine Verweiblichung der Fische verursacht wird.

Belebungsbecken für die biologische Abwasserreinigung in der Versuchs-Kläranlage in Schwerte

Belebungsbecken für die biologische Abwasserreinigung in der Versuchs-Kläranlage in Schwerte

Nordrhein-Westfalen ist deutschlandweit Vorreiter bei der Forschung, wie auch diese Mikroverunreinigungen im Schmutzwasser abgebaut werden können. Dafür hat das NRW-Umweltministerium ein Forschungsprogramm gestartet. Die größte Versuchsanlage für diese so genannte 4. Reinigungsstufe befindet sich in der Kläranlage Schwerte vom Ruhrverband. Die Kläranlage ist ideal für solche Versuche, weil es zwei parallel laufende Wasserreinigungsstraßen, so genannte Belebungsbecken, gibt. In einem dieser Becken wird das Abwasser mit der herkömmlichen Methode geklärt. In dem anderen werden Methoden zur Eliminierung der Mikroverunreinigungen unter Realbedingungen getestet: Durch die Zufuhr von Ozon oder Aktivkohlepulver.

Das Ozon wird gasförmig in Reaktoren wie bei einem Soda-Streamer in das gereinigte Wasser gegeben. Das sehr staubige pechschwarze Aktivkohlepulver wird ebenfalls in Reaktoren mit dem gereinigten Wasser vermischt. Die Oberfläche der Aktivkohlepartikel verhält sich wie ein Schwamm: Hier lagern sich Mikroverunreinigungen an.

Test: Immer wieder werden Wasserproben entnommen

Test: Immer wieder werden Wasserproben entnommen

Endgültige Ergebnisse dieser Versuche gibt es noch nicht, aber bisherige Messungen haben ergeben, dass zum Beispiel Rückstände des Hormon-Ersatzstoffes Ethinylestradiol, das in Antibabypillen zum Einsatz kommt, bis zu 90 Prozent abgebaut werden kann. Auch Rückstände des Stimmungsaufhellers Carbamazepin lassen sich mit Hilfe der Aktivkohle um 93 Prozent reduzieren. Dieses Mittel ist häufig, vor allem in Regionen mit einer älteren Bevölkerung, im Abwasser zu finden.

In Fachkreisen wird längst diskutiert, ob diese vierte Reinigungsstufe künftig bundesweit eingeführt werden sollte. Das ist natürlich auch eine Kostenfrage.

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