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Klimakammer im Münchner Helmholtz-Zentrum

26.11.2012, von , in Karte anzeigen

Susi Weichselbaumer mit Andreas Albert in der Klimakammer des Helmholtz-Zentrums München

Susi Weichselbaumer mit Andreas Albert in der Klimakammer des Helmholtz-Zentrums München

Die Steuerzentrale wirkt spartanisch und wenig gemütlich. Das gleisende Licht der Neonröhren wirft harte Schatten auf die Stahlschränke, Schreibtische und Monitore. Dabei ist dieser Büroraum das Herzstück der Münchner Klimaforschungsanlage im Helmholtz-Zentrum. Über die Computer werden die Versuchskammern gesteuert, in denen sich verschiedenste Klimaszenarien erproben lassen. Susi Weichselbaumer hat sich die Anlage einmal angeschaut.


Biologen und Physiker arbeiten zusammen und nutzen Diagrammdaten aus der Vergangenheit sowie Prognosen für die Zukunft, um herauszufinden: Wie reagieren Pflanzen oder Mikroorganismen auf Veränderungen von Temperatur, Licht, Niederschlagsmenge, C02-Gehalt oder Ozonbelastung? Sogar kleine Ökosysteme beobachten die Forscher so unter nahezu realen Bedingungen. Doch um eine möglichst wirklichkeitsnahe Atmosphäre zu kreieren, braucht es jede Menge technisches Know-How.

Ein wenig sieht es aus wie in der Großmetzgerei oder im Kühlraum eines Schlachthofes. Große Metalltüren, mehrfach mit schweren Riegeln gesichert, schützen die einzelnen Klimakammern. Vor den Türen stehen Rechnertürme, es blinkt und leuchtet. Druckmessgeräte sind an der Wand angebracht. Durch eine Schleuse geht es ins Innere der Kammer. Die Schleuse ist wichtig, denn zum Einen sollen keine unerwünschten Schadstoffe von außen hereingebracht werden, die das Experiment stören könnten. Zum Anderen sind die Versuche mitunter nicht ungefährlich für die Wissenschaftler, wenn es etwa um die Auswirkungen von Begasung für die Pflanzen geht oder den Einsatz von Pestiziden.

Versuchspflanzen werden unterschiedlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt

Versuchspflanzen werden unterschiedlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt

Jede Klimakammer misst zehn Quadratmeter. Die zweieinhalb Meter hohen Wände sind mit Edelstahl verkleidet. Ein ausladender Tisch trägt jede Menge kleiner Töpfchen. Darin befinden sich für diesen Versuch winzige grüne Pflänzchen, im Durchmesser wie Stecknadelköpfe. Ackerschmalwand heißen die drei- bis vierblättrigen Gewächse. Diese sind frisch angesät. Bunte Schildchen weisen aus, welchem Genotyp sie angehören. Ziel des Versuches ist es herauszufinden, welche genetischen Eigenschaften Pflanzen anpassungsfähig machen an Trockenheit, massive Niederschläge, veränderten Schadstoffgehalt. Diesmal haben Biologe Jörg-Peter Schnitzler und Physiker Andreas Albert potentielle Szenarien eines Klimas in 50 Jahren ausgesucht: Starke Regenfälle werden sich in Europa dann mit Perioden erheblicher Trockenheit abwechseln, vermuten die Experten. Berechnungen zu Folge steigen die Temperaturen um 2 bis 3 Grad Celsius, andere Computersimulationen gehen von bis zu 10 Grad mehr aus. Auch bei den CO2-Werten ist mit einer Zunahme von bis zu 20 Prozent zu rechnen.

In den Klimakammern steckt sehr viel Technik

In den Klimakammern steckt sehr viel Technik

Besonders aufwendig im Klimalabor nachzubauen sind Lichtverhältnisse, die den natürlichen gleichen. An den Wänden befinden sich UVB-Leuchten, von oben sorgen Strahler für helles, weißes Licht, dazu gibt es blaue Fluoreszenzröhren und Neonröhren. Die Lampen an der Decke befinden sich hinter dicken Glasscheiben. Zwischen Scheiben und Leuchten fließt ein zwei Zentimeter dicker Film Wasser. Das Wasser absorbiert die abgestrahlte Wärme und funktioniert so kondensiert als Filter, gleicht damit also dem atmosphärischen Wasserdampf.

Trotz aller technischen Findigkeit, ganz identisch mit der Natur sind die Klimakammern nicht. Noch nicht. Jörg-Peter Schnitzler und Andreas Albert arbeiten daran. Zunächst sind die beiden aber zufrieden, wenn sie heraus finden, was die für Europa vorhergesagten Klima-Szenarien für Folgen haben könnten.

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