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Allein unter Vögeln: Vogelmonitoring auf Trischen

04.09.2012, von , in Karte anzeigen

Vogelwart Moritz Mercker beim Vogelzählen

Der Vogelwart von Trischen führt ein Robinson-Crusoe-Leben im Dienst der Wissenschaft. Die Insel, auf der er als einziger Mensch lebt, liegt 10 Kilometer vom schleswig-holsteinischen Festland entfernt. Sieben Monate im Jahr wohnt hier der Vogelwart in einem Holzhaus und zählt die Rast- und Brutvögel. Sie nutzen Trischen zu Tausenden als Rückzugsort, weit weg von menschlicher Zivilisation. Jens Wellhöner hat die Insel und den Vogelwart in der Nordsee besucht.

Sommer auf Trischen - im Winter ist es hier zu gefährlich

Sommer auf Trischen – im Winter ist es hier zu gefährlich

Trischen ist winzig: Nur 180 Hektar groß. Lediglich Grasdünen gibt es hier, einen weiten einsamen Strand und die Hütte des Vogelwarts: Ein Holzhaus auf Stelzen, mitten in den Dünen. Auf Stelzen deshalb, weil die Insel bei Sturmflut komplett überflutet wird. Der Vogelwart wohnt hier zwischen März und Oktober, im Winter ist es wegen der Stürme zu gefährlich. Jedes Jahr zieht ein neuer Vogelwart im Stelzenhaus ein, dieses Jahr ist es Moritz Mercker. Der 32-jährige Biologe aus Niedersachsen erfüllt sich mit seinem Aufenthalt einen Jugendtraum.

Fernab vom menschlichen Lärm bleiben die Tiere ungestört

Fernab vom menschlichen Lärm bleiben die Tiere ungestört

Im Auftrag des Naturschutzbunds NABU zählt er auf Trischen Brut- und Rastvögel, die es zu Tausenden auf die Düneninsel im Watt zieht. Auf Trischen haben die Tiere vor menschlichem Lärm ihre Ruhe – denn für jeden außer dem Vogelwart heißt es hier:  Betreten verboten!
Mercker zählt Tag für Tag, beobachtet die Verhaltensweisen der Vögel und führt darüber penibel Buch. Auch seine Vorgänger haben hier fleißig Daten gesammelt, über 40 Jahre. So können die Wissenschaftler über einen langen Zeitraum sehen, wie sich die Vogelbestände entwickeln und genau nach den Ursachen der zum Teil sehr starken Schwankungen suchen.

Die Brandgans ist ein häufiger Gast auf der Vogelinsel

Die Brandgans ist ein häufiger Gast auf der Vogelinsel

Manchen Populationen, wie zum Beispiel dem Löffler und dem Alpenstrandläufer, geht es im Moment sehr gut – während die Zahl der Brandgänse im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer dramatisch sinkt. Umweltgifte könnten eine Ursache sein, vermutet der Biologe. Jeden Abend gibt er die neuesten Zahlen in seinen Laptop ein, per Internet hält er Verbindung zur Außenwelt. Ein Luxus, den seine Vorgänger in den siebziger und achtziger Jahren nicht hatten.

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