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Das Liebesleben der Flussperlmuschel

21.08.2012, von , in Karte anzeigen

Durchblickerin Annika Zeitler im Perlenbach

Durchblickerin Annika Zeitler im Perlenbach

Die Flussperlmuschel galt in Deutschland schon als nahezu ausgestorben. Vor ein paar Jahren haben Forscher einige wenige Muscheln in der Eifel gefunden. Ein Artenschutzprojekt der Biologischen Station in Aachen kümmert sich nun um die Wiederansiedlung der Flussperlmuschel. Unsere Reporterin Annika Zeitler war bei der Suche nach Nachwuchs dabei.

Zugegeben: Auf den ersten Blick ist sie nicht gerade hübsch.

Die Flussperlmuschel sieht aus wie ein schwarzes Stück Holzkohle. Aber ihre winzigen Nachkommen sind faszinierend. Sie sind durchsichtig und stoßen sich mit ihren kleinen Füßchen im Wasser ab. So bewegen sie sich vorwärts und machen dabei die eine oder andere Pirouette, die durchs Mikroskop wunderbar zu beobachten ist. Doch die Zukunft des Nachwuchses ist ungewiss.

Nur in jeder zweitausendsten Muschel ist eine Perle.

Nur in jeder zweitausendsten Muschel ist eine Perle.

In Deutschland ist die Flussperlmuschel vom Aussterben bedroht. Forscher haben vor ein paar Jahren einige wenige Exemplare im Nationalpark Eifel gefunden. Früher trug der Perlenbach noch seinen Namen zu Recht. Denn damals pflasterten Millionen von Flussperlmuscheln das Bachbett und ihre kostbaren Perlen schmückten die Kronen der europäischen Herrscher. Heute sind es nicht einmal mehr ein Dutzend. Perlen zu finden ist unwahrscheinlich, denn sie kommen, wenn überhaupt, alle zweitausendste Muschel mal vor. Es braucht viele Jahre bis eine Perle entsteht.

Ein Artenschutzprojekt der Biologischen Station im Kreis Aachen kümmert sich in der Eifel um die Wiederansiedlung der Flussperlmuschel. Doch die Aufzucht der Tiere ist kompliziert und mit viel Geduld verbunden.

Die Nachkommen der Flussperlenmuschel sieht man nur durchs Mikroskop.

Die Nachkommen der Flussperlenmuschel sieht man nur durchs Mikroskop.

Flussperlmuscheln werden erst mit ungefähr 20 Jahren erwachsen und geschlechtsreif. Männliche Muscheln geben ihre Samenzellen ins Wasser ab, die von den weiblichen Muscheln aufgenommen werden. Dann geben die Weibchen mehr als eine Millionen winzige Larven ins Wasser. Doch die Larven haben nur eine Überlebenschance, wenn sie sich an den Kiemen von Bachforellen einnisten. Dort entwickeln sie sich innerhalb eines Jahres zur Jungmuschel, fallen vom Wirtstier ab und verbringen dann vier bis fünf Jahre im Gewässergrund, in dem sie sich eingraben.

Jungmuschel

Jungmuschel

Doch durch Verschmutzung der Gewässer und Verdrängung der Bachforelle ist die Flussperlmuschel vom Aussterben bedroht. Deshalb wird bei der Aufzucht der Muscheln nichts dem Zufall überlassen. Trächtige Muscheln werden vorsichtig aus dem Fluss genommen und die abgegeben Larven aufgefangen. Die mikroskopisch kleinen Muschellarven werden gezielt in ein Becken mit Bachforellen gesetzt. Und dann heißt es abwarten.

In einem Kasten werden die Flussperlenmuscheln in den Perlenbach gesetzt.

In einem Kasten werden die Flussperlenmuscheln in den Perlenbach gesetzt.

Larven die sich nach knapp einem Jahr zu Jungmuscheln weiterentwickelt haben, dürfen dann ihr Kinderzimmer in der Biologischen Station in Aachen beziehen. Dort werden sie im geschützten Raum ständig beobachtet und kontrolliert. Mit knapp sechs Jahren und einem Zentimeter Größe folgt der nächste Schritt. In einem Kasten werden sie in den Perlenbach gesetzt. Bei der letzten Kontrolle ergab eine Zählung elf Muscheln für den Nachwuchs.

Flussperlmuscheln gehören zu den Tieren, die das höchste Lebensalter erreichen. Bei uns hat man Muscheln gefunden, die mehr als 100 Jahre alt wurden, in  Schweden sogar Tiere, die 280 Jahre alt waren.

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