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Im Netz der 3D-Spinne – Training gegen Spinnenphobie

18.06.2012, von , in Karte anzeigen

Vogelspinne im Terrarium

Angst vor Spinnen? Mit einem 3D-Spinnen-Simulator vielleicht heilbar

Das Labor, in dem Psychologe Hendrik Peperkorn von der Universität Würzburg Spinnen auf seine Versuchsteilnehmer loslässt, ist reichlich unspektakulär für so einen gruseligen Anlass. Ein bisschen Chaos auf dem Tisch, ein gepolsterter, etwas abgenutzter Stuhl in der Mitte des Raumes vor einem wandgroßen Bildschirm und ein Computer, der es in sich hat.

Denn mit dem Computer wird die Konfrontation mit einer virtuellen Spinne in 3D simuliert – quasi „Avatar“ für Spinnenphobiker. Was die Wissenschaftler in Würzburg umtreibt: Kann so eine computeranimierte Spinne einen ähnlich starken Angstreiz auslösen, wie die herkömmliche Kreuzspinne im Keller?

3D Simulation der Spinne

3D Simulation der Spinne

Die 3D-Technik und auch die aufwändigen Computerspiel-Programme, die es mittlerweile gibt, sind Hendrik Peperkorn und seinen Kollegen eine große Hilfe: „Wir haben gerade eine Studie abgeschlossen, und dabei haben unsere Versuchsteilnehmer bei der 3D-Darstellung tatsächlich mehr Angst empfunden als bei einer 2D-Darstellung.“

Für das Konfrontationsprogramm müssen die Teilnehmer eine herkömmliche 3D-Brille aufsetzen, wie man sie aus dem Kino kennt. Dazu bekommen sie noch eine etwas klobige Fernbedienung mit sieben Tasten darauf. Dann startet der Psychologe das Programm: Der wandgroße Bildschirm öffnet sich zu einem rund fünf Meter tiefen Raum, originalgetreu wie der Raum, in dem sich die Testperson schon befindet, mit einer Heizung an der linken Wand und man kann sogar die virtuellen Bäume durch die Fenster des künstlichen Raums sehen.

Die Spinne auf der Hand

Die Spinne auf der Hand: Psychologe Hendrik Peperkorn mit Kollegin und Durchblickerin Yvonne Maier

Auf Knopfdruck taucht am hinteren Rand des Raumes eine etwa mopsgroße Kreuzspinne auf – mit langen Beinen bäumt sie sich hin und wieder auf, wirkt etwas bedrohlich. Der Test ist ein Konfrontationstest: Die Teilnehmer können selbst entscheiden, wie nahe sie die Spinne an sich heranlassen wollen. Bei der siebten und letzten Stufe wirkt es so, als würde sie die Spinne fast berühren.

„Natürlich ist das kein Ersatz für eine echte Therapie, aber für manche könnte das in Zukunft zumindest eine Alternative sein. Das funktioniert ja auch bei anderen Ängsten“, sagt Hendrik Peperkorn. „Flugsimulatoren können einen ähnlichen therapeutischen Effekt haben, wie ein Flugangsttraining in einem echten Flugzeug. Nur dass die Simulatoren viel billiger sind.“

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