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Auf den Spuren des Wolfes in Mecklenburg-Vorpommern

22.05.2012, von , in Karte anzeigen

Fotofallenfoto vom Wolf in der Lübtheener Heide © WWFN.Stier

Fotofallenfoto vom Wolf in der Lübtheener Heide©WWFN.Stier

In  Sagen und Märchen kommt er immer wieder vor: Der große, böse Wolf – meistens hinterlistig, blutrünstig, stark und überlegen. Eigenschaften, die dem Tier auch in der Realität lange zugeschrieben wurden, wodurch er in Deutschland so gut wie ausgelöscht war. Nun werden wieder vermehrt Wölfe gesichtet. Durchblickerin Mayke Walhorn hat sich mit dem Wildtier-Biologen Norman Stier auf Spurensuche begeben.

Der Wolf wurde zum Opfer seines schlechten Rufes:  Seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde hartnäckig Jagd auf die Tiere gemacht, bis die Populationen in Deutschland so gut wie ausgelöscht waren. Der vorerst letzte Wolf in freier Wildbahn wurde  Anfang des vergangenen Jahrhunderts erschossen.

Hier wurde der Wolf gesichtet (Foto: Mayke Wahlhorn)

Hier wurde der Wolf gesichtet

Doch seit rund 60 Jahren wurden immer wieder einzelne Wölfe in Deutschland gesehen. Inzwischen haben sich in Sachsen sogar wieder ganze Rudel etabliert. Die Nachwuchszahlen in Deutschland haben sich 2011 im Vergleich zum Vorjahr sogar verdoppelt – die Wölfe haben Deutschland wieder entdeckt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern scheint sich ein männlicher Wolf sehr wohl zu fühlen – er wurde mehrfach gesichtet und sogar fotografiert. Ein Grund, warum das Land den Wildtier-Biologen Norman Stier von der Universität Dresden mit dem Wolfs-Monitoring beauftragt hat. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn in der Regel meiden die Tiere die Nähe des Menschen. Der Wolf in Mecklenburg-Vorpommern ist ein heimlicher Bewohner des Landes.

Wildtier-Biologen Norman Stier auf der Suche nach Spuren (Foto: Mayke Walhorn)

Schon vom Auto aus kann der geschulte Blick von Norman Stier die Spuren im Sand erkennen

Die Aufgabe des Wildtierforschers Stier ist es, den Wolf zu suchen, seine Wege und Gewohnheiten zu erforschen und zu überprüfen, ob sich möglicherweise ein weiteres Tier dazu gesellt hat. Wäre es ein Weibchen, würde der Bildung eines Rudels nichts mehr im Wege stehen. Regelmäßig durchkämmt der Forscher darum das Land: Immer auf der Suche nach Spuren, Kothaufen oder Kadaverresten von Beutetieren, die der Wolf auf seinen Streifzügen hinterlassen hat.

Kotspuren werden genau auf ihre Bestandteile untersucht (Foto: Mayke Walhorn)

Kotspuren werden genau auf ihre Bestandteile untersucht

Die Wolfsspuren lassen sich von denen größerer Hunde kaum unterscheiden, typisch für Wölfe ist allerdings, dass sie ihre etwas kleineren Hinterpfoten direkt in die Spur der Vorderpfoten setzen.
Entdeckt der Wolfsforscher einen Kothaufen, der von einem Wolf stammen könnte, nimmt er Proben, die später genetisch analysiert werden. Mithilfe von Darmzellen, die in der Probe enthalten sind, lässt sich das Tier bestimmen und auch das Geschlecht feststellen.

Ein wichtiges Instrument für das Monitoring sind auch die Fotofallen: Digitalkameras, die Stier an verschiedenen Standorten in Mecklenburg-Vorpommern installiert, an denen er den Wolf vermutet.

Der 'Wolfsblitzer' (Foto: Mayke Walhorn)

Der 'Wolfsblitzer'

Sie werden auf Wolfshöhe an Baumstämmen angebracht und funktionieren im Grunde wie ein „Blitzer“ im Straßenverkehr. Läuft ein Tier vorbei, wird durch einen Bewegungsmelder die Kamera ausgelöst. Das gilt allerdings nicht nur für Wölfe. In Tausenden von Aufnahmen, die der Wolfsforscher regelmäßig kontrolliert, befinden sich Fotos von Füchsen, Rehen, Wildschweinen und Hasen – nur selten ist ein Wolf dabei.

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Kommentare zu „Auf den Spuren des Wolfes in Mecklenburg-Vorpommern“

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  1. Monika Gierach
    schreibt am 4. Juni 2012 10:42 :

    Was für eine Bereicherung das sie wieder da sind! Alles kann auch der Mensch nicht auf Ewigkeiten zerstören. Die Rückkehr der Graufelligen stahlt soviel Hoffnung aus, das für die Natur doch noch nicht alles verloren ist.

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