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Auf der Suche nach dem spektakulärsten Tier der Welt – Wissenschaft zum Anfassen im Deutschen Museum

26.03.2012, von , in Karte anzeigen

Yvonne Maier testet einen Nachbau des Leuwenhoek-Mikroskops

Das Deutsche Museum in München ist das größte naturwissenschaftlich-technische Museum der Welt. Bergbau, Segelschiffe oder Nanotechnik – hier findet sich alles, was das Herz des interessierten Laienforschers begehrt. In der Optikabteilung glänzen über hundert Mikroskope in den Vitrinen – es ist die größte Sammlung an Elektronen- und Lichtmikroskopen weltweit. Reporterin Yvonne Maier hat sich Isarwasser abgefüllt und einen Blick durch die Linse gewagt.

Die Mikrospkop-Sammlung im Deutschen Museum

Besonderer Stolz der Sammlung: zwei Originalmikroskope von Antoni van Leeuwenhoek, dem Erfinder der Mikroskopie. Klaus Macknapp gehört zur Optikabteilung – bei ihm können Besucher durch eine Nachbildung in einer 80-fachen Vergrößerung einen Floh genauer betrachten. Die Leeuwenhoek-Mikroskope sehen völlig anders aus, als die Mikroskope, die Schüler und Studenten heute so kennen. Es sind zwei aufeinander montierte Metallplatten mit einem kreisrunden Loch in der Mitte – dort kommt die Linse hinein. Davor wird das Objekt gesetzt und der Betrachter hält sich das Mikroskop dicht vors Auge – quasi wie eine Lupe.

Wer sich die Mühe macht, und vor dem Museumsbesuch eine Flasche Isarwasser abfüllt, kann – wenn Klaus Macknapp Zeit hat – nachschauen, was da alles drin ist. Der Ingenier ist seit vielen Jahren der Mikroskop-Experte im Haus. Er weiß genau, wie man Proben entnehmen muss, um später im Mikroskop etwas vor die Linse zu bekommen. Nur die Flasche ins Wasser halten – das funktioniert nicht. Denn Mikroorganismen halten sich im Sediment auf, verstecken sich zwischen Algen und Moos.

Klaus Macknapp sucht das Bärtierchen

Darum machen er und Reporterin Yvonne Maier sich auf die Suche nach einer besseren Probe – direkt an der Isarmauer, hinter dem Deutschen Museum. Im Moos, das hin und wieder von der Isar überspült wird, versteckt sich das „wahrscheinlich spektakulärste Lebewesen der Welt“, verspricht Ingenieur Klaus Macknapp.

Zurück im Museum wird das Moos angefeuchtet, gewaschen, ausgedrückt und ein Tropfen des trüben Waschwassers unter das Mikroskop gelegt. Ein dichtes Gestrüpp an kreisrunden Algen, Dreckpartikeln und schließlich auch das „spektakulärste Tier der Welt“ kommen in den Fokus: ein Bärtierchen.

Bärtierchen im Elekteronenmikroskop

Es ist das widerstandsfähigste Tier unseres Planeten: Eigentlich aktiv im Wasser, kann es trotzdem rund 120 Jahre im Trockenschlaf überdauern, hält Vakuum aus, kann eine halbe Stunde in kochendes Wasser geworfen werden, verträgt Röntgenstrahlung und nimmt auch nach sieben Monaten bei Minus 272 Grad Celsius keinen Schaden. Darum sind sie auch beliebte Labortiere, unterwegs auf Satelliten und im Weltraum – denn wer so widerstandsfähig sein kann, der ist auch für die Forscher und die Medizin interessant. Bärtierchen – wahrscheinlich die spektakulärsten Tiere der Welt – zu finden im Moos an der Isarmauer, vor den Toren des Deutschen Museums.

 

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