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Ein Schweinswal unterm Messer

12.03.2012, von , in Karte anzeigen

Reporter Jens Wellhöner assistiert bei der Obduktion eines Schweinswals

Die mit den Delfinen verwandten Schweinswale sind die einzigen Wale vor unserer Heimatküste. Jedoch ist diese kleine Walart akut vom Aussterben bedroht. Immer häufiger werden ertrunkene Tiere als Beifang in Fischernetzen gefunden. Die genauren Ursachen für das Walsterben werden von Forschern am Institut für Aquatische Wildtierforschung in Schleswig-Holstein untersucht.  Jens Wellhöner war bei einer Obduktion dabei:

Im Fischernetz verendeter Schweinswal

Schweinswale sind die einzigen Wale, die vor den deutschen Küsten zu Hause sind. Sie sehen aus wie kleine Delfine. Immer mehr von den Meeressäugern enden als sogenannter Beifang in Fischernetzen. Das heißt, neben Speisefischen wie Hering oder Dorsch verfangen sich auch Schweinswale in den Netzmaschen und sterben. Warum die Schweinswale, die sich sonst hervorragend per Echolot orientieren können, in die Netze schwimmen, ist noch nicht geklärt.

Hängt das mit dem zunehmenden Lärm unter Wasser zusammen, der durch Schiffsverkehr oder auch den Bau von Offshore-Windparks entsteht? Um dieses Rätsel zu lösen, werden tote Schweinswale am Institut für Aquatische Wildtierforschung im schleswig-holsteinischen Büsum aufgeschnitten und untersucht.
Eine Spezialistin hierfür ist Dr. Henrike Seibel, Tierärztin und Pathologin. Einer der verendeten Schweinswale stammt aus einem Fischernetz in der Ostsee. Um die inneren Organe auf eventuelle Krankheiten untersuchen zu können, zieht die Pathologin dem Tier erst einmal die dicke Speckschicht ab. Danach nimmt sie Darm, Herz und Lunge genauer unter die Lupe.

Jens Wellhöner entdeckt die Lunge des Schweinswals

Leicht kann sie feststellen, dass der Darm dieses Tieres gesund war:  Er enthält nichts Ungewöhnliches – die letzte Mahlzeit des Wals bestand aus kleinen Fischen, wie nicht anders zu erwarten war. Auch das Herz weist keine Auffälligkeiten auf. Dann jedoch öffnet die Pathologin die Lunge mit einem Skalpell. Innerhalb des Gewebes befinden sich einige Verhärtungen und graue Flächen: Erste Zeichen für eine Lungenentzündung.

 

Die Wissenschaftlerin vermutet Lärmbelästigung im Meer als mögliche Ursache

Auch bei der anschließenden Untersuchung des Ohres wird die Pathologin fündig:  Im Gehörgang entdeckt die Forscherin jede Menge kleiner Würmer. Das stimmt mit den Ergebnissen anderer Schweinswal-Obduktionen überein: Viele der Tiere haben Schäden am Ohr. Die Ursache könnten die vom Menschen verursachten Lärmbelastungen im Meer sein, so die Wissenschaftlerin. Die Folge: Das Echolot der Schweinswale versagt, sie stranden oder verenden im Fischernetz.

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