. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Frösteln in der Kältekammer

28.02.2012, von , in Karte anzeigen

Lou Astor vor der Kältekammer

Lou Astor vor der Kältekammer

Das Krankenhaus Neuwittelsbach in München verfügt über eine ungewöhnliche Einrichtung: eine Kältekammer. Hier werden Patienten auf ärztliche Anordnung und unter Aufsicht eines Physiotherapeuten bei Temperaturen bis –110° C behandelt. So weit die kalte Theorie. Durchblicker Lou Astor wollte wissen, wie sich minus 110°C tatsächlich auf der Haut anfühlen – und das nur mit Badehose bekleidet und ganze drei Minuten lang.

 

Die Kältekammer - ein schmuckloser Raum.

Die Kältekammer - ein schmuckloser Raum.

Beobachtung eins: Die Kältekammer ist ein eher schmuckloser, kleiner Raum. Beobachtung zwei: Das stört niemanden, weil alle erstens mit der Kälte und der Gänsehaut beschäftigt sind – und außerdem die Wartezeit mit Musik versüßt bekommen. Nach drei Minuten wird es dann aber doch „recht zapfig“ – wie der Bayer sagt. Und Lou Astor ist froh, wieder ins Warme zu gelangen. Therapeutisch betrachtet, hat die Tortur in der Kälte aber viel Gutes:

Nach 3 Minuten bei -110° will man schnell wieder ins Warme.

Nach 3 Minuten bei -110° will man schnell wieder ins Warme.

Bei einer Vielzahl von Anwendungsgebieten wirkt die Ganzkörper-Kältetherapie –  entzündungshemmend und schmerzstillend: Zum Beispiel bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Arthrosen, Rückenschmerzen oder Morbus Bechterew, bei Entzündungen der Sehnenscheiden, nach orthopädischen Operationen, aber genauso auch bei Neurodermitis oder Psoriasis.

 

Eine schnelle Schmerzlinderung, eine Verkürzung der akuten Krankheitsschübe bei entzündlichem Rheuma und eine Verkürzung der Bettlägerigkeit sind die Ziele der Ganzkörper-Kältetherapie. Zweimal wöchentlich bis zweimal täglich wird sie durchgeführt, eine einzelne Sitzung dauert nur wenige Minuten:

Mit Badehose, Mundschutz, Mütze und Handschuhen gehts in die Kältekammer.

Mit Badehose, Mundschutz, Mütze und Handschuhen gehts in die Kältekammer.

Der Patient betritt in Badekleidung mit Mundschutz, Ohrenschutz, Handschuhen, dicken Socken und Schlappen die Kältekammer. 30 Sekunden bleibt er in einer Vorkammer bei ca. –60° C . Nach einem Signal vom Therapeuten betritt er dann die eigentliche Therapiekammer mit –110° C. Die Verweildauer hier beträgt dann maximal drei Minuten. Während dieser Zeit bewegt sich der Patient zu angenehmer Musik in der Kammer.

 

Angenehmer Nebeneffekt: Der Kopf wird frei und klar. Deshalb wird die Kältekammer-Therapie auch für Manager eingesetzt – beispielsweise vor anstrengenden Meetings. Angeblich führen Verhandlungen zu besseren Ergebnissen, wenn man einen kühlen Kopf bewahrt.

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019