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Testzentrum für Elektrofahrzeuge

30.01.2012, von , in Karte anzeigen

Fraunhofer Institut für integrierte Systeme und Bauelementetechnologie (Erlangen)

Fraunhofer Institut für integrierte Systeme und Bauelementetechnologie (Erlangen)

Fahrzeuge mit elektrischem Antriebsstrang stellen völlig neue Anforderungen an die Mess- und Prüftechnik. Dass diese Anforderungen eigentlich wissenschaftliche Herausforderungen sind und entsprechend Spaß machen, sagen die Experten vom Fraunhofer Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie im fränkischen Erlangen. Was von Außen und auf den ersten Blick aussieht wie vier zusammengewürfelte Container in Garagengröße, beherbergt das Testzentrum für Elektrofahrzeuge – eines der umfassendsten dieser Art in Europa. Susi Weichselbaumer war einem Test dabei.

Jeder Container erfüllte eine ander Aufgabe.

Jeder Container erfüllte eine andere Aufgabe.

Jeder Container erfüllt eine Aufgabe: Auf dem ersten steht „Elektrische Antriebe“, dann geht es weiter mit „Elektromagnetische Verträglichkeit“, „Batterietest“ und in Container Nummer vier befindet sich das Herzstück des Labors, der  „Rollenprüfstand“.  Jedes Bauteil eines Elektroautos kann in Erlangen überprüft werden. Das macht Sinn, denn jedes Bauteil ist wichtig, wenn es darum geht, den Energiebedarf der Fahrzeuge zu minimieren, das thermische Management zu optimieren und hocheffiziente Elektronik und Hilfsaggregate zu entwickeln.

Das Testlabor von Innen.

Das Testlabor von Innen.

Durchblickerin Susi Weichselbaumer hat sich das Testlabor im Container von Dr. Bernd Eckart, dem Gruppenleiter Fahrzeugsysteme am Fraunhofer Institut für Integrierte Systeme und Bauelemente zeigen lassen und befand sich sofort in einer anderen Welt. Im Inneren sieht es aus wie in einem Science Fiction Film: Silberne Wände, silberne Decken, Holztische – da wird gelötet, geschraubt, gebastelt. Es leuchtet und blinkt. Männer unterhalten sich fachlich, denn eine Frau ist momentan noch nicht im Team. Die Vermutung der Herren: „Die mögen elektrische Antriebstechnik oder Leistungselektronik vielleicht nicht so sehr“. Willkommen wären hier weibliche Forscherinnen in Sachen Elektroautos aber in jedem Fall.

Der Rollenprüfstand

Der Rollenprüfstand

Die Durchblickerin geht mit in die Kommandozentrale: Den Rollenprüfstand. Durch eine Glasscheibe sieht man in eine Garage, auch hier wieder die Wände mit Stahl ausgeschlagen. Ein Elektroauto steht auf einem Laufband, davor eine Windmaschine, an der Decke Ventilatoren. In dieser Containerkammer lassen sich sämtliche Straßen- und Witterungsverhältnisse simulieren. Zwischen -25 und +50 Grad ist alles möglich, die maximale Antriebs-/Bremsleistung je Rad beträgt 85 kW.  Auf den beiden Monitoren in der Kommandozentrale laufen die Daten zusammen und werden direkt ausgewertet.

Durchblickerin Susi Weichselbaumer mit Dr. Bernd Eckart in der Kammer des Rollenprüfstandes.

Durchblickerin Susi Weichselbaumer mit Dr. Bernd Eckart in der Kammer des Rollenprüfstandes.

Spannender ist es in der Kammer selbst – also der Garage. Bei -25 Grad bildet sich Reif an den Stahlwänden. Die Windmaschine ist ohrenbetäubend; so hört und fühlt es sich also an, wenn man bei 140 kmh den Kopf zum Autofenster rausstreckt. Das Testfahrzeug wird auf die Rollen gesenkt und fährt los. Es ruckelt bei 50 kmh. Das Abbremsen hört man nicht. Auch der Antrieb ist lautlos. Was es in Zukunft in Sachen Elektroauto noch zu eruieren gilt: Wie werden Energiespeicher für den Verbraucher günstiger? Wie wird die Reichweite der Elektromobile gesteigert? Nicht zuletzt deshalb wird in Erlangen in den vier Forschungscontainern des Testzentrums des Fraunhofer Instituts weiter gefahren werden: gegen Wetter, Wind, schlechte Straßenlagen und gute auch.

Am Fraunhofer Testzentrum für Elektrofahrzeuge in Erlangen spricht man weniger von Anforderungen, als von Herausforderungen.

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