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Hightech-Stoff für moderne Fassaden

09.01.2012, von , in Karte anzeigen

Aeneas Rooch und Ernst Leuken, Betriebsleiter der Weberei, stehen vor der Anlage, die die Polyesterfäden auf eine Fünf-Meter-Garnrolle umspult.

Wenn ein neuer Flughafen gebaut wird, soll er modern aussehen. Die Architektur soll ins Auge fallen – gekrümmt, gewölbt, glatt und glänzend. Um solche extravaganten Entwürfe umzusetzen, braucht man ein Material, das nicht starr ist, sondern formbar, aber das trotzdem schlechtes Wetter aushält und stabil ist. Hier kommt Stoff zum Einsatz, gewebt wie eine gewöhnliche Leinwand, aber aus speziellem Garn und besonders beschichtet. Mit so einem Hochleistungstextil lassen sich gekrümmte Fassaden und Dächer gestalten – für Flughäfen, für große Firmengebäude oder für Fußballstadien.  Unser Reporter Aeneas Rooch hat einen Hersteller besucht und sich angeschaut, wie er gemacht wird – der Stoff, aus dem Fassaden sind.

Druckluft-Webstuhl in der Weberei

Dächer von modernen Fußballstadien sind oft aus beschichtetem Textil, aus einem gewebten Verbund von Fasern. Denn um die gekrümmten Formen der modernen, organischen Architektur umzusetzen, braucht man ein Material, das nicht starr, sondern formbar und dabei trotzdem witterungsbeständig ist. Hier kommen Textilien zum Einsatz, die aus speziellem Garn gewebt und je nach Anforderung beschichtet sind. Solche Spezialstoffe werden unter anderem von der Verseidag Indutex GmbH in Krefeld entwickelt und hergestellt. Hier wurden unter anderem die Dach-Membranen für die WM-Stadien in Kapstadt und Johannesburg und die Fassadenmembran für den neuen Flughafen Berlin Brandenburg produziert.

Im Prinzip unterscheiden sich die modernen Membranen nicht von einer Leinwand: Sie werden genau so gewebt, aber da sie später als Dach oder Fassade Spannung und Belastung aushalten und außerdem witterungsbeständig sein müssen, nur eben nicht aus Leinen, sondern etwa aus Polyester oder Glasfaser.

Betriebsleiter Ernst Leuken vor der riesigen Webanlage

Die Spezialstoffe werden gewöhnlicher Weise in einigen Metern Breite hergestellt, und dafür muss zuerst das Garn, das auf hunderten kleiner Rollen angeliefert wird, auf eine einzige große Garnrolle umgespult werden. Danach wird es in Webstühlen verwoben – in ganz gewöhnlichen Webmustern, wie man sie etwa auch von einer Leinwand kennt.

Je nach dem, wie die Spezialtextilien später eingesetzt werden und welche Eigenschaften sie haben sollen – wie lichtdurchlässig sie beispielsweise sein sollen, ob sie reflektierend oder matt sein, welche Farbe sie haben oder ob sie feuerfest sein sollen -, wird der gewebte Stoff beschichtet, sodass zum Beispiel ein Glasfasergewebe entsteht, das wie eine Pfanne mit PTFE beschichtet ist.

Dr. Daniel Boschmann arbeitet in der Entwicklungsabteilung. An der Zugprüfmaschine wird die Zerreißfestigkeit der Textilien getestet.

Abschließend wird in genormten Versuchen getestet, ob die Spezialtextilien wirklich reiß- und feuerfest sind. Dazu spannen Laboranten Teststreifen in eine Zugprüfmaschine, die genau misst, wie viel Spannung der Stoff aushält, bis er reißt, sie untersuchen die Rissstelle und sie zünden den Stoff in einem Ofen mit einem Bunsenbrenner an; wenn die Flamme entfernt wird, muss der Stoff von selbst aufhö ren zu brennen.

Solche gewebten, beschichteten Spezialstoffe finden nicht nur als moderne Fassaden und Dächer Anwendung, sondern auch als Biergarten- und Zirkuszelte oder als Stoff für Hüpfburgen.

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