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Sandwich aus Roboterhand

28.11.2011, von , in Karte anzeigen

Roboter Rosie - selbst einfache Handgriffe stellen hohe Anforderungen an die Technik

Toastbrot, ein bisschen Remouladensoße, Salami und ein Scheibe Käse – fertig ist das Sandwich für die Mittagspause. Was für uns Menschen die einfachste Übung des Tages ist, ist für Roboter eine riesige Herausforderung. Yvonne Maier hat Roboter Rosie im CoTeSys-Insitut der TU München beim Sandwich-Machen zugeschaut.
Die Roboterküche der TU München sieht so gar nicht aus, wie eine Küche – sie ist vollgestopft mit teurem Equipment und mehreren Computern. Erst in der Mitte des großen Raums sieht es ein bisschen aus wie in einem Küchenstudio. Davor steht Roboter „Rosie“ – ein großer Schrank mit mehreren Computern, schweren Rädern zur Fortbewegung, einem Gesicht mit Kameraaugen und riesigen, orangenen Armen.

Ingo Kresse ist Doktorand am Insitut und mit verantwortlich für Rosies neuesten Trick: Sandwiches machen. Damit ist Rosie eine versierte Roboter-Köchin: Sie kann nämlich auch Pfannkuchen backen und Weißwürste kochen.

Roboter Rosie toatest Toastbrot

Die Roboter hier am Insitut haben eine Besonderheit: Sie lernen, zu kochen. Ihnen wurden die Handgriffe nicht extra einprogrammiert. So weiß Rosie zum Beispiel, wie das Schneidebrett aussieht, auf das Ingo Kresse die Toastbrotscheiben gelegt hat. Mit einem Infrarotscanner sucht sie vor sich nach dem Brett und findet auch das „Toastbrot-Muster“. Weil sie weiß, wie der Toaster aussieht, und wo dort die Schlitze drin sind, kann sie das Brot vom Brett nehmen und in den Toaster fallen lassen.

Die Zukunftsversion sieht folgendermaßen aus: Wenn wir irgendwann einmal Haushaltsroboter in unseren Küchen haben, dann sind die nicht auf jede Küche einzeln ausgerichtet. Sondern sie wissen Grundsätzliches: So sieht ein Kühlschrank aus (also mit einer schwenkbaren Türe, mit einem Griff und es ist innen kalt) oder so sehen Schneidebretter aus. Der zukünftige Roboter müsste also ein bisschen in unserer Küche ausharren, alles abscannen, den Menschen beim Hantieren zuschauen und könnte sich dann seine Küche nach und nach selber zusammenbauen. Ähnlich wie das ein Mensch macht. Wir finden uns ja auch ziemlich schnell in fremden Küchen zurecht, weil sie im Grunde genommen alle gleich sind.

Komplizierter wird es mit der Remouladensoße. Die ist ziemlich zäh – Rosie kann zwar den Löffel zielgenau in das Glas manövrieren, aber wie bekommt sie die Soße vom Löffel auf das Brot? Wir Menschen würden ein bisschen schütteln, doch das kann Rosie nicht machen, da würden ihre teuren High-Tech-Arme auf Dauer kaputt gehen. Darum mussten sich die Informatiker behelfen: Rosie „stampft“ mit dem Löffel ziemlich unsanft auf das Brot, macht dabei ein kleines Loch in den Toast. Aber immerhin: Eine nicht unerhebliche Menge Remouladen-Soße bleibt auf dem Brot, sehr sanft verstreicht der Roboter das mit dem Löffel. Ist ja eigentlich auch kein Problem – denn das Loch wird einfach mit Salami und Käse verdeckt.

Das Aufspießen von Salamischeiben erfordert von Roboter Rosie höchste Koordination

Rosie kann sich mit ihren Kameras ein 3D-Bild ihrer Umgebung zusammenbauen, und vergibt Bildpunkte im Raum. Wenn sie dann die Gabel in die Salami piekst, kann  sie selbst nachkontrollieren, ob das auch geklappt hat: Sie blickt auf die Gabel – wenn sie dann nur ein paar hundert Bildpunkte erkennt, bedeutet das, die Salami ist heruntergefallen. Wenn sie aber ein paar Tausend Bildpunkte auf der Höhe der Gabelzinken sieht – dann ist da die Salami dran geblieben. Eine einfache Methode, um den Roboter selbstständig werden zu lassen.

Für Ingo Kresse und seine Kollegen am Roboterinsitut gibt es aber immer noch unglaublich viel zu tun. Denn wirklich selbstständig kochen kann Rosie natürlich nicht. Sie kann die Salami noch nicht aus dem Kühlschrank holen, die Teller nicht hinstellen, geschweige denn selbst einkaufen. Noch ist ihr Horizont sehr begrenzt. Und darum wird es auch noch sehr lange dauern, bis der eigene, universell einsetzbare Haushaltsroboter nicht mehr Science Fiction ist.

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