. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Benji im Leckerli-Paradies – Kognition bei Hunden

07.10.2011, von , in Karte anzeigen

Der Hund soll lernen, wie er an sein Futter kommt.

Wenn wir Menschen uns gegenseitig auf etwas aufmerksam machen wollen, dann zeigen wir drauf oder schauen intensiv hin. Aber funktioniert das auch bei Hunden? Am Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie untersuchen Forscher, wie gut Hunde Hinweise auf verstecktes Futter deuten können. Das Besondere daran ist, dass ganz normale Familienhunde an den Studien teilnehmen können – so wie Benji und Aimée von der Familie Reutler. Die Hunde müssen nur Leckerlis mögen und dürfen ihre Besitzer nicht all zu sehr vermissen. Die müssen nämlich draußen bleiben. Marieke Degen hat die Hunde in den Hundebungalow begleitet.

Die Forscherin deutet auf den richtigen Becher.

Benji scharrt auf dem blauen Teppichboden, legt den Kopf schief und fiept ungeduldig. Der fünfjährige Mischling zittert vor Vorfreude. Benji ist heute im Hundebungalow des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie zu Gast. Und das bedeutet: eine Menge Leckerli – wenn er seine Sache gut macht.

Die Verhaltensforscherin Juliane Bräuer untersucht hier, wie Hunde Hinweise auf verstecktes Futter nutzen. Die Biologin braucht dafür zwei Becher und eine Handvoll Leckerli. Der Versuch an sich ist ganz einfach: Hinter einer kleinen Barriere schiebt die Forscherin das Leckerli unter einen der beiden Becher. Dann stellt sie die Barriere zur Seite, schiebt die Becher auseinander und deutet oder schaut auf den Becher, unter dem das Futter versteckt ist. Benji kann die Hinweise der Forscherin gut verstehen: Immer wieder schubst er den richtigen Becher mit der Schnauze zur Seite und stürzt sich auf seine Belohnung. Aber kommt Benji auch mit einem kausalen Hinweis von Juliane Bräuer zurecht? Wenn die Forscherin den Becher mit dem Futter schüttelt, kann Benji dann aus dem Geräusch schließen, dass sich Futter im Becher befindet? Wenn sie den leeren Becher schüttelt und das Geräusch ausbleibt – weiß er dann, dass er zum anderen Becher laufen muss?

Ein Leckerli gibt es als Belohnung.

Wie die meisten Hunde kann Benji kommunikativen Hinweise gut deuten. Bei der Zeigegeste sind die Hunde in 90 Prozent der Fälle erfolgreich, bei der Schaugeste immerhin noch in mehr als 50 Prozent. Für Hundebesitzer ist das nicht weiter verwunderlich: Schließlich setzen Menschen die Gesten oft ein, um den Hund auf Futter oder ähnliches aufmerksam zu machen. Trotzdem: Die Fähigkeit, soziale Gesten deuten zu können, ist alles andere als alltäglich im Tierreich. Das zeigen Vergleichsstudien mit anderen Tierarten, zum Beispiel mit Menschenaffen. Mit Blicken oder Fingerzeigen können unsere nächsten Verwandten überhaupt nichts anfangen. Dafür begreifen sie sofort, dass das Futter Geräusche macht und sie sich dem anderen Becher zuwenden müssen, wenn das Geräusch beim Schütteln ausbleibt. Die Forscher sprechen deshalb vom sozialen Hund und dem kausalen Affen.

Selbst Wölfe, die von Menschenhand aufgezogen worden sind, haben Schwierigkeiten damit, das Zeigen oder Hinschauen zu interpretieren. Hundewelpen dagegen haben damit kaum Probleme – was darauf hindeutet, dass diese Fähigkeit im Erbgut des Haushundes verankert ist. Im Laufe der Domestikation haben sich die Hunde durchgesetzt, die die menschlichen Zeigegesten deuten konnten. Hunde sind eben einmalig.

Zum Weiterlesen: „So klug ist Ihr Hund!“ von Juliane Bräuer und Juliane Kaminski, Kosmos-Verlag.

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019