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Wie sich die Masern ausbreiten – Berliner Wissenschaftler zeichnen Infektionsketten nach

26.09.2011, von , in Karte anzeigen

Masernviren können in Blut, Urin und Speichel nachgewiesen werden.

Die Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten überhaupt – und sie können tödlich enden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Masern mit Hilfe von Impfungen weltweit auszurotten. In Nord- und Südamerika ist das bereits gelungen, Europa ist auf einem guten Weg, aber noch längst nicht masernfrei. Wenn irgendwo in Deutschland jemand an Masern erkrankt, dann muss die Krankheit möglichst schnell auch als solche diagnostiziert werden – um einen größeren Ausbruch zu verhindern.

Wichtig ist aber auch die Frage, woher die Masern-Erreger stammen. Die Wissenschaftlerinnen am Nationalen Referenzzentrum für Masern, Mumps, Röteln im Berliner Robert Koch-Institut leisten medizinische Detektivarbeit. Stefanie Peyk hat dabei zugeschaut.

Ärzte, Krankenhäuser und Gesundheitsämter schicken die Proben ein.

Die Masern-Viren kommen per Post: Regelmäßig schicken Ärzte, Krankenhäuser oder Gesundheitsämter Päckchen mit Abstrichen, Blut- und Urin-Proben ans Robert Koch-Institut. Das Berliner Labor prüft, ob ein Patient wirklich die Masern hat – denn Masern kann man leicht mit Röteln, Ringelröteln oder auch Scharlach verwechseln.

 

Antikörper-Nachweis mit Hilfe eines Farbreaktionstests

Beim ELISA-Test, einem Farbreaktionstest, wird das Blutserum im Labor auf Masern-Antikörper untersucht. Wenn sich der Test gelb verfärbt, ist klar: der Patient ist tatsächlich an Masern erkrankt. Nun stellt sich die nächste Frage: Mit welchem Masernvirus genau hat sich der Patient angesteckt?

Um das zu klären, versuchen die Wissenschaftlerinnen, das Erbgut des Masern-Virus in einem Rachenabstrich direkt nachzuweisen – mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion, kurz PCR. Ein Stammbaumprogramm klärt, von welchen Viren das Masern-Virus in der Probe abstammt – Ahnenforschung bei Krankheitserregern sozusagen.

Die Laborleiterin Annette Mankertz im Gespräch.

Annette Mankertz, die Laborleiterin, kann Infektionsketten durch ganz Europa nachzeichnen. Sie erkennt, wo ein Masernausbruch seinen Anfang genommen hat und wie sich die Krankheit ausgebreitet hat – etwa 2008 von England über Deutschland nach Bulgarien.

„Europa ist von der Masernausrottung noch sehr weit entfernt: Da müssen mehr Anstrengungen unternommen werden. Es muss geimpft werden“, so Annette Mankertz. Viele Eltern entscheiden sich wegen möglicher Impfschäden gegen eine Impfung. Sie fürchten zum Beispiel eine Gehirnentzündung. Diese Nebenwirkung allerdings ist extrem selten: nur jeder millionste Impfling bekommt eine Gehirnentzündung – dafür aber jeder tausendste Masern-Kranke. Für Annette Mankertz steht deshalb fest: die Masern sind viel gefährlicher als das Impfen.

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