. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Exoten auf dem Wattboden: Die pazifische Auster im Visier

17.09.2011, von , in Karte anzeigen

Pazifische Auster: robuster und härter als die einheimische

Ein Stück Zitrone dazu und dann schlürfen. Für viele Menschen ist eine Auster auf dem Teller eine besondere Delikatesse – wenn sie direkt aus der Nordsee stammt: umso besser! Doch heimisch sind die Austern nicht, die heute an deutschen Küsten gefangen werden. Sie sehen anders aus, als die, welche noch vor 100 Jahren im Wasser zu finden waren. Sie sind robuster, ihre Schale ist dicker und härter. Anders als früher, leben sie auch weniger im tiefen als vielmehr im flachen Wasser. Und den Austern-Forschern auf Sylt sind sie fast ein wenig ein Dorn im Auge: Mayke Walhorn ist nach Sylt gefahren, und hat herausgefunden, warum.

Ein Austern-Experimentierfeld der Forscher auf Sylt. Die Austern kommen von hier ins Labor.

Vor 100 Jahren waren die Bestände der heimischen Austern dramatisch zurückgegangen, was die Liebhaber von Meeresfrüchten nicht daran hinderte, sie in gewohnter Menge essen zu wollen. Einer der Gründe, warum schließlich  Meeresforscher den Ursachen des Austernsterbens auf den Grund gehen sollten. Die Wattenmeerstation auf Sylt  – heute ein Zentrum für verschiedene Zweige der Meeresforschung – wurde vor mehr als 80 Jahren als sogenanntes „Austernlabor“ gegründet.

Es gibt inzwischen wieder Austern in der Nordsee – und das in Hülle und Fülle. Heute sind die Probleme andere. Es sind Muscheln aus dem Pazifik, die aufgrund ihrer harten und robusten Schale widerstandsfähiger sind, als es die heimischen Austern waren, die es zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts noch gab.

Meeresbiologe Reise untersucht eine Auster.

Der Meeresbiologe Prof. Karsten Reise, Leiter der Wattenmeerstation auf Sylt, die zum Alfred- Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtzgemeinschaft gehört, beobachtet die Populationen der pazifischen Austern genau: Wie haben sich die Tiere in die Flora und Fauna der Nordsee integriert? Bilden sie Lebensgemeinschaften? Haben sie genügend Fressfeinde oder werden sich die rasant gewachsenen Bestände ungehindert weiter vermehren und anderen Tieren dabei die Nahrungsgrundlage entziehen?

Mehrere Austern-Experimentierfelder

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, haben der Austernforscher und seine Kollegen im Wattenmeer vor der Nordspitze der Insel Sylt ein Experimentierfeld angelegt: Direkt auf dem Wattboden befinden sich mehrere 10m² große Flächen, die von ihnen mit Austern besiedelt wurden. Regelmäßig kontrollieren die Wissenschaftler, wie sich die Anwesenheit der Austern auf das Ökosystem auswirkt: Sie überprüfen die Sedimentzusammensetzung des Bodens und vergleichen die Zahl und Vielfalt der Lebewesen auf den Austernfeldern mit Bereichen außerhalb der Experimentierfläche.

Für den Wattwurm sind die Austern schlecht: Sie verändern den Boden.

Ein Tier, das bislang besonders unter den pazifischen Austern zu leiden hat, ist der Wattwurm: Denn der schlickige Boden, den er durchgräbt, verändert sich an Stellen, an denen viele der großen pazifischen Muscheln leben: Es bildet sich Schwefelhydroxid, das der Wattwurm nicht vertragen kann. Die kleinen Würmchen im Schlick sind aber wiederum die Leib- und Magenspeise vieler Vögel, die am Meer leben…

Share

Kommentare zu „Exoten auf dem Wattboden: Die pazifische Auster im Visier“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Wolfgang
    schreibt am 7. Oktober 2011 17:17 :

    Vielleicht könnte man ja Wattwanderungen mit Austernverzehr organisieren um der Ausbreitung etwas entgegenzuwirken.

  2. Maik
    schreibt am 22. Januar 2012 13:21 :

    Das Wattenmeer und Austern gehören zu Sylt. Doch sind sie leider auch bedroht.

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2017