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NUBBEK: Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit

09.09.2011, von , in Karte anzeigen

Durchblicker-Reporterin Sonja Kolonko interviewt eine der Versuchsteilnehmerinnen (Foto: WDR)

In den ersten Lebensjahren eines Kindes wird die Basis für eine gesunde Entwicklung und erfolgreiche Bildung gelegt. Doch Fragen, wie sich die Kinder am besten entwickeln, zu Hause, bei der Tagesmutter oder in der Kita, mit welchen Angeboten man die Unter-Dreijährigen am besten fördern kann, hat deutsche Forscher bisher  kaum interessiert. Beim Kita-Ausbau zählt derzeit erstmal Quantität. Wie die Betreuungsplätze am besten gestaltet werden sollten, damit  die Kleinen optimal gefördert werden, darüber kann wissenschaftlich bisher wenig gesagt werden. Das soll sich jetzt ändern,  dank NUBBEK, der Nationalen Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit.  Durchblicker-Reporterin Sonja Solonko hat den Forschern dabei über die Schulter geschaut.

Beobachterin Andrea Rehm bei der Arbeit in der Kita (Foto: WDR)

Beobachterin Andrea Rehm bei der Arbeit in der Kita (Foto: WDR)

Rund 2000 zwei- und vierjährige Kinder mit ihren Familien, davon etwa ein Drittel mit Migrationshintergrund, haben an der Studie teilgenommen, 600 Kitas, Krippen und Tagesmütter wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.
Professionelle Beobachter haben dafür „Hausbesuche“ gemacht,  sich also zum Beispiel in eine Kita gesetzt und „stilles Mäuschen“ gespielt, geschaut, wie die Erzieherinnen/Eltern mit den Kindern umgehen, versucht, sich ein Bild von der generellen pädagogischen Qualität zu machen. So interessierte sie zum Beispiel, ob Alltagssituationen wie das Wickeln oder das Anziehen zum Lernanlass genommen werden („Zeig mir mal, wo Deine Hose ist“, „Kannst Du schon alleine den Knopf zumachen?“) oder eher der Eindruck einer Routineabfertigung entsteht.

Auch bei den Bochumern "Unizwergen" wird die Qualität der Betreuung untersucht (Foto: WDR)

 

Geht es ums Betreuen und Fördern oder eher um die „sichere Verwahrung“? Welche formalen Voraussetzungen, also zum Beispiel wie viele Betreuer braucht es, damit die Erzieher ihren Job optimal ausüben können? All diese Punkte wurden anhand standardisierter Fragebögen von den Beobachtern erfasst und durch Interviews mit den Betreuungspersonen ergänzt.

Ein Kind beim Entwicklungstest: Wo ist der Pinguin? (Foto: WDR)

 

Um den Einfluss der Betreuungsform auf die Entwicklung der Kinder zu erfassen, haben die Forscher außerdem verschiedene Entwicklungstests mit den Kindern gemacht, so wurde etwa die sprachliche Entwicklung getestet, indem Kinder bestimmte Wörter auf Bildern suchen mussten. Dann galt es,  Bausteine in einem vorgegebenen Muster anzulegen oder verschiedene Handbewegungen nachmachen – damit wurde geprüft, ob die kognitiven Fähigkeiten der Kinder altersgemäß entwickelt sind.

Anfang dieses Jahres haben die auf acht Bundesländer verteilten NUBBEK-Projektstandorte die Datenerhebung bei den teilnehmenden Familien und Betreuungseinrichtungen abgeschlossen, die Ergebnisse werden im Frühjahr 2012 erwartet.

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Kommentare zu „NUBBEK: Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit“

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  1. Wolfgang Martin Wettlaufer
    schreibt am 7. Oktober 2011 16:22 :

    „Geht es ums Betreuen oder um ’sichere Verwahrung'“, wird hier gefragt. Wo allerdings bleibt in dieser Untersuchung die Frage nach der „Prägung“ der Kleinsten? Sollte die nicht eigentlich in vorderster Linie durch die leiblichen Eltern geschehen, unter optimaler Konstellation? Doch die Abfolge von „Familienministerinnen“ (Schmidt; von der Leyen; Schröder), welche ökonomistische Kriterien höher ansiedeln als die Erziehungsarbeit innerhalb der Familien (und die damit politisch brillieren durften), diese Abfolge hat zu einer fatalen Verschiebung von Werten geführt.
    Weitere genannte Gesichtspunkte sind dadurch berührt: Frühförderung, sprachliche Entwicklung, Bildung und Erziehung. Ein „Betreuungsplatz“ für den größten Teil des Tages anstelle emotionaler Wärme in anteilnehmender familiärer Umgebung – schon für kaum Einjährige! Eine Bekannte sagt mir, seitdem ihre Enkelin in die Kita ginge, habe sie schlagartig ihre ganze Goldigkeit verloren (die Frau hat selber mal Erzieherinnen ausgebildet). Ist sowas nicht ein Alarmzeichen, was die Gemütsentwicklung unserer Kinder angeht? Was auch die Gesellschaft interessieren müßte – denn es geht da ja um die soziale Rolle („Kompetenzen“), deren Wurzen hier gründen! „Herzensbildung“ ist da doch ebenso wichtig wie „frühkindliche Bildung“, oder?
    Solche Belange greift die Studie scheints auch nicht auf: Wo es etwa um sprachliche Entwicklung geht, könnte man pointiert fragen, lernen die Kleinen eigentlich noch Muttersprache, oder aber die sachliche, weniger ‚goldige‘ Sprache eines anonymen Pflegepersonals? – Ich selber bin heilfroh, meine 87jährige Mutter heute noch zu Dingen aus meiner Kindheit befragen zu können, denn SIE hat sie mit mir erlebt!
    Eines jedoch bleibt beim verblendenden „Fortschritt“ auf dem Felde von Prägung und Erziehung gar nicht thematisiert: in welche Situation Eltern dereinst geraten werden, wenn sie pflegebedürftig und womöglich dement geworden sind. Ich sehe hier einen gewaltigen Pflegenotstand heraufdämmern, während professionelle Pflegedienste schon heute überfordert sind (zumal der Zeitgeist technokratische Berufsbilder vorzieht): Wo heute der Großteil Älterer sich bei der Grundpflege noch auf die eigenen Kinder stützen darf, werden die heute fremdbetreuten Sprößlinge ihren Erzeugern einmal sagen: Wir euch betreuen? Aber ihr habt uns doch auch fortgegeben ..
    Denn die Kinder haben zu Ihren Eltern kaum emotionale Bindungen knüpfen können; berufsgestreßt haben sie sie meist erlebt, wenn sie spät abends heimkommen. – Wirtschaften wir also richtig, wenn wir allein die ökonomischen Prinzipien wertschätzen?

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