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Wie orientieren sich Menschen – Das Cyberneum in Tübingen

11.07.2011, von , in Karte anzeigen

Cyber - Brille mit Antennen

Cyber - Brille mit Antennen

„Da müssen Sie nur da vorne rechts, an der Ampel links, dann wieder links und an der übernächsten Kreuzung wieder rechts.“ – Jeder, der schon einmal so eine Wegauskunft bekommen hat, weiß wie schwer die Orientierung an fremden Orten sein kann. In Zeiten von Navis und Internet-Routenplanern verlassen wir uns meistens auf die elektronischen Hilfen. Dabei leistet der Routenplaner im Kopf so einiges – Tübinger Wissenschaftler am Max-Planck-Institut untersuchen wie wir uns eine Karte im Kopf bauen – also wie orientieren wir uns in fremden Räumen und Orten?

In der virtuellen Welt

Geforscht wird aber nicht auf der Straße, sondern in Cyberwelten – und Katharina Thoms hat sich dort in einem Experiment auf den Weg gemacht.
In der großen Halle des Cyberneums sind die Wände schwarz und es gibt kein Tageslicht. Mit einer Videobrille und einem Helm ausgerüstet werde ich gleich in ein virtuelles Haus geschickt. Die knubbeligen Antennen am Helm helfen den Infrarotkameras an den Wänden, mich zu orten.

Im Videohaus

Im Videohaus

Dann schaltet der Leiter des Experiments, Dr. Tobias Meilinger, den Monitor in meiner Videobrille an und ich befinde mich in einer Art langem, verwinkeltem Hotelflur. Dort laufe ich entlang und versuche mir verschiedene Dinge zu merken: den Spiegel an der Wand, die Pflanze usw.

Pflanze im Videohaus

Pflanze im Videohaus

Nach etwa zehn Minuten meldet sich wieder der Verhaltenspsychologe Meilinger: Ich würde jetzt gleich an verschiedene Orte in diesem virtuellen Haus gebeamt. Von dort solle ich jeweils sagen – oder raten – wo sich Spiegel, Regal oder Aktenschrank befinden.

Dr. Meilinger bei der Auswertung

Dr. Meilinger bei der Auswertung

Obwohl ich ein schlechtes Gefühl hatte, merke ich in der Auswertung mit Dr. Meilinger, dass ich häufig richtig lag und mich nur um wenige Meter verschätzt habe. Diese Ungenauigkeiten tauchen bei den meisten Menschen auf, hat Meilinger herausgefunden. Der Mensch mache aber noch mehr solcher systematischen Fehler. Damit könnte man vielleicht erklären, warum ich ganz selten dann doch komplett falsch lag. Die Forscher am MPI Tübingen wollen herausfinden, welche weiteren typischen Fehler wir Menschen beim Merken von Wegen machen. Langfristig könnte das auch bei der Entwicklung von Navis, Stadtplänen oder beim Bau von Parkhäusern helfen: Damit wir schnell den richtigen Weg wieder finden.

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