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Wachteln im Röntgenblick

28.06.2011, von , in Karte anzeigen

Der Forscher John Nyakatura untersucht in der Röntgenvideoanlage die Bewegungsabläufe einer Wachtel

Auf dem Gelände der Uniklinik Jena befindet sich ein ganz besonderes Filmset: Eine Hochfrequenz-Röntgenvideoanlage, mit der Evolutionsbiologen von der Universität Jena Tiere beim Laufen bis auf die Knochen durchleuchten und gleichzeitig filmen können. In der europaweit einmaligen Anlage waren schon alle möglichen Tiere zu Gast: Eichhörnchen, Ratten, Chamäleons, 32 Hunderassen, sogar ein Faultier ist hier schon beim Klettern gefilmt worden. Jetzt haben die Forscher fürs erste genug von Vierbeinern im Röntgenlicht – und wollen sich Zweibeinern widmen. Allerdings nicht den Menschen, wie man jetzt vielleicht annehmen könnte: Die erfolgreichsten Zweibeiner – zumindest evolutionär gesehen – sind die Vögel. Zehntausend verschiedene Vogelarten gibt es auf unserem Planeten. Wie genau sie sich auf ihren zwei Beinen fortbewegen, weiß aber keiner so ganz genau –  ihre zwei Beine sind schließlich fast vollständig unter dem Federkleid verborgen. Ein Fall für die Jenaer Forscher und ihre Röntgenvideoanlage. Marieke Degen hat sie besucht.

Die Röntgenvideoanlage in Jena ist einmalig in Europa

Praktisch alle Vögel bewegen sich auf dem Boden auf zwei Beinen fort. Doch der Vogellauf ist noch weitgehend unerforscht. Evolutionsbiologen von der Universität Jena wollen diese Wissenslücke schließen – mit Hilfe ihrer Hochfrequenz-Röntgenvideoanlage. Die Forscher wollen dutzende Vogelarten, vom Huhn bis zur Dohle, beim Laufen in ihrer Röntgenanlage filmen. Sie setzen die Tiere dafür aufs Laufband oder lassen sie über einen Hindernisparcours rennen. Hunderte von Vögeln müssen noch untersucht werden, damit die Wissenschaftler Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den einzelnen Arten genau herausarbeiten können.

In der Röntgenvideoanlage können Forscher die Bewegungen der Wachtel genauestens studieren

Heute ist eine Wachtel an der Reihe. Ein kleines, hellbraunes Hühnchen mit erstaunlich langen Beinen, die aber fast vollständig unter dem Federkleid verborgen liegen. John Nyakatura und Martin Fischer wollen herausfinden, wie sich die Beine der Wachtel auf ein Hindernis einstellen. In der Röntgenanlage haben sie einen so genannten Laufkanal aufgebaut, einen Gang aus Plexiglas mit einem – für Wachtelverhältnisse – hohen Podest in der Mitte. In der Natur würde der Vogel gar nicht erst auf das Podest steigen, sondern immer drum herum laufen. Im Laufkanal kann er aber nicht ausweichen. Und siehe da: die Wachtel erklimmt das Podest so mühelos und elegant wie ein versierter Hürdenläufer. Der Röntgenfilm macht dabei jede noch so kleine Bewegung in den Knochen und Gelenken sichtbar.

Video: Wachtel in der Hochfrequenz-Röntgenvideoanlage

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