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Technologie gegen Stoppeln– das Rasiererlabor in Kronberg

31.05.2011, von , in Karte anzeigen

Wolfgang Richter vor der Prüfapparatur für Rasierer

Wolfgang Richter vor der Prüfapparatur für Rasierer

Forschung beschäftigt sich nicht nur mit den großen Fragen unserer Welt, sondern auch mit den kleinen, alltäglichen Dingen: Mit elektrischen Rasierern zum Beispiel. So eine elektrische Rasur soll gründlich sein, und sie soll schnell gehen, und die Geräte sollen komfortabel, chic und praktisch sein.
Elektrische Rasierer sind Hightech-Produkte: Hersteller treiben einen immensen Aufwand, ihre Rasierer gründlicher und schneller zu machen und mit komfortablen Extrafunktionen auszustatten – Forschung fürs Gesicht.

Bei einem Elektrorasierer ist die Klinge unter einem Schutzgitter versteckt, das die Barthaare zwar durchlässt, die Haut aber von der Klinge fernhält. Zwei Typen haben sich durchgesetzt: Bei den einen Geräten bewegt sich die Klinge vor und zurück, bei den anderen dreht sie sich im Kreis. 1950 brachte der deutsche Ingenieur Max Braun einen Elektrorasierer auf den Markt, und heute ist seine Firma einer der weltweit führenden Hersteller.
In den Kronberger Laboren muss ein Rasiererprototyp rund 70 Tests überstehen, bevor er in den Handel kommt – er muss funktionstüchtig, sicher, robust und haltbar sein. Auf einem Vibrationstisch testen die Ingenieure, wie gut er den Transport per LKW übersteht, an einem Falltisch, ob er auch Stürze aushält und an einer speziell hergestellten Nagelbürste, deren Nylonborsten von Durchmesser und Population dem männlichen Barthaar gleichen, testen sie, wie gut das Gerät rasiert. Per Laser vermessen sie auf Hundertstel Millimeter genau, wie gründlich der Rasierer die Haare stutzt.

Der Schneidperformancetest für Rasierer

Der Schneidperformancetest für Rasierer

In einem anderen Labor testen die Entwickler, wie lange der Rasierer hält. Sie simulieren sieben Jahre Betrieb, indem sie die Geräte auf einer Lederrolle, einem Modellgesicht, hin und her tanzen lassen. Fünf Minuten dauert diese Rasursimuliation, dann gibt es fünf Minuten Pause, und anschließend beginnt für die Rasierer ein neuer Tag und sie müssen wieder fünf Minuten lang die Lederrollen bearbeiten. In der anderen Ecke des Raumes müssen Testrasierer Modellbart abscheren, insgesamt rund 100 Bürsten, Millimeter für Millimeter.

Und ob ein Gerät mit seinen vielen Bestandteilen am Ende wirklich so aussieht und funktioniert, wie es entworfen wurde, wird in Kronberg im Computertomographen ermittelt. Beim Durchleuchten und Vergleichen mit dem Bauplan entdecken die Ingenieure, wenn im Inneren des Geräts zum Beispiel ein Plastikstift zu kurz ist oder eine Sicherung fehlt.

In einem Badezimmer können die Testkunden neue Apparate testen

In einem Badezimmer können die Testkunden neue Apparate testen

Natürlich gehört zur Entwicklung eines neues Rasierers auch Marktforschung: In einer eigenen Abteilung befragen Mitarbeiter Testkunden danach, wie sie sich die perfekte Rasur vorstellen und was es an einem Rasierer zu verbessern gibt. In einem Badezimmer schließlich können Kunden neue Apparate testen. Dabei werden sie durch den Spiegel von einer Kamera gefilmt, und die Produktforscher werten später aus, wie der Kunde mit dem gerät zurecht gekommen ist, wie genau er sich rasiert und wie er dabei geguckt hat.

Vom der ersten Idee über die Skizzen am Zeichenbrett, die technische Konstruktion und die Kundenbefragungen bis zum fertigen Rasierer im Geschäft dauert die Weiterentwicklung eines Geräts einige Jahre, schließlich sollen die Rasierer nicht nur gründlich und schnell rasieren, sie sollen elegant und sportlich aussehen, über komfortable Zusatzfunktionen wie eine Batterieanzeige verfügen und sich auch selbst ölen und reinigen – Technologie gegen Stoppeln.

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