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Woran Seeadler sterben – Berliner Forscher suchen nach Ursachen

23.05.2011, von , in Karte anzeigen

Tierarzt Oliver Krone zeigt unserer Reporterin Stefanie Peyk die alten und die neuen Federn im Flügel des Seeadlers

Wir kennen es aus dem Tatort: Die Kommissare wollen wissen, wie das Opfer ums Leben gekommen ist. Also schneidet der Rechtsmediziner die Leiche auf. Nicht anders läuft es, wenn ein Tierarzt herausfinden will, woran ein Greifvogel gestorben ist. Am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin liegt fast jede Woche ein toter Seeadler auf dem Sektionstisch. Die Suche nach der Todesursache dient dem Artenschutz. Wer weiß, woran die Seeadler sterben, kann die lebenden Greifvögel besser schützen. Unsere Reporterin Stefanie Peyk war bei einer Seeadler-Leichenschau dabei.

Tierarzt Oliver Krone und seine Assistentin bei der Sektion des Vogels: Der Tierarzt legt den Brustkorb des Adlers frei

 

Meist finden Jäger, Förster oder Pilzsammler die Adler. Die toten Vögel werden gefroren nach Berlin geschickt und vor der Untersuchung langsam wieder aufgetaut. Vor einer Obduktion macht Ariane Senke, biologisch-technische Assistentin, Röntgenaufnahmen von dem Vogel. An diesen Bildern kann der Tierarzt Oliver Krone zum Beispiel erkennen, ob der Adler gebrochene Knochen hat. Manchmal sind im Magen des Vogels Bleisplitter zu erkennen.

Fast jeder vierte Seeadler in Deutschland stirbt an einer Bleivergiftung. Der Grund: die Jagd mit Bleimunition. Das haben die Forscher vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung zeigen können. Häufig nehmen Jäger das gejagte Wild nämlich noch im Wald aus und lassen die Organe liegen. Dann kommen die Seeadler und fressen das Fleisch – samt Bleisplittern. Für den Adler bedeutet das häufig den Tod. Dabei gäbe es eine einfach Lösung: bleifrei Schießen – Munition ohne Blei.

Die Höhe des Schnabels wird vermessen

Zu jeder Leichenschau gehört eine gründliche körperliche Untersuchung des Vogels. Der Tierarzt misst zum Beispiel die Flügelspannweite, die Höhe des Schnabels oder den Abstand zwischen den Zehen. Er schätzt das Alter des Adlers, und er stellt fest, ob das Tier Wunden hat.

Der Tierarzt nimmt ein Organ nach dem anderen aus dem Bauch des Adlers

Dann schneidet der Tierarzt den Adler auf und nimmt ein Organ nach dem anderen heraus: Herz, Leber, Magen, Darm, Nieren, Lunge, Speise- und Luftröhre. Manche Organe können krankhaft verändert sein. Im Labor untersuchen die Forscher sie auf Gift, Viren, Bakterien und Pilze und auf Parasiten.

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