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Raubtierfütterung in Friedrichskoog- neue Erkenntnisse in der Robbenforschung

14.02.2011, von , in Karte anzeigen

Seehund Mareike

Seehunde gehören zu den beliebtesten Tieren Deutschlands. Schiffsausflüge zu den Seehundbänken sind die Attraktion eines Urlaubs an der Nordsee. Das liegt vor allem an den „niedlichen“ Knopfaugen der Raubtiere und ihrer besonderen Fortbewegungsart, dem Robben. Große Seehundvorkommen gibt es im Wattenmeer und auf Helgoland, der einzigen deutschen Hochseeinsel. Durchblicker-Reporter Jens Wellhöner ist in der Seehundstation in Friedrichskoog auf Tuchfühlung mit den Tieren gegangen, im Seehundbecken gleich hinterm Deich und hat der Biologin Tanja Rosenberger bei der Arbeit mit zwei Kegelrobben über die Schulter geschaut.

Biologinnen bei der öffentlichen Fütterung ihrer Schützlinge

 In der Seehundstation Friedrichskoog in Schleswig-Holstein, die verlassene und kranke Tiere aufnimmt, leben Seehunde und Robben ihr Leben lang im Dienste der Wissenschaft. Die Jungtiere genannt Heuler bleiben nur einige Monate zur Aufzucht in der Station. Zur Zeit leben in dem 800 m3  großen Beckensystem 5 Seehunde und 2 Kegelrobben.  Unterscheiden kann man Seehunde und Kegelrobben an ihren Zehnen und am Gewicht.  Die Robben haben kegelförmige Backenzähnen, die Seehunde mehrfach geteilte Backenzähne. Kegelrobben werden deutlich größer und schwerer als Seehunde. Sie bringen im ausgewachsenen Zustand bis zu 300 Kilo auf die Waage, selbst Babyrobben wiegen schon stattliche 50 bis 60 Kilo. Die Tiere werden mit Hering gefüttert, das bringt auch genügend Speck für den Winter. Um auch draußen im offenen Meer bei der Jagd erfolgreich zu sein, können Robben bis zu 35 Kilometer in der Stunde erreichen.  

Tanja Rosenberger und Reporter Jens Wellhöner beim Seehundbecken

 Die Biologen in Friedrichskoog erforschen das Verhalten und kümmern sich um den Schutz der Tiere. Denn so niedlich sie auch wirken: Seehunde und Robben sind gefährdet, und zwar durch den Menschen. Im Zuge des Booms alternativer Energiequellen entstehen in der Nordsee große Offshore-Windkraftanlagen. Der Lärm, den diese Baustellen verursachen, könnte eine Gefahr für das empfindliche Gehör von Robbe und Co. sein. In Friedrichskoog machen die Forscher jetzt Hörtests mit ihren Robben: Dabei wird untersucht, in welchem Frequenzbereich die Tiere überhaupt hören und wie stark sie durch den Baustellenlärm in der Nordsee belastet werden.

Den Seehunden und Robben werden Ohrschützer aufgesetzt, die die Tiere natürlich erst einmal akzeptieren müssen – und das dauert! Die Biologinnen und Biologen sind bei dieser „Gewöhnungsarbeit“ sehr vorsichtig, denn Robben haben spitze Zähne, mit denen sie blitzschnell zubeißen können.  Wenn sich die Tiere dann an die Ohrschützer gewöhnt haben, werden ihnen Klickgeräusche auf die Ohren gegeben. Zudem werden sie verkabelt, um über ihre Hirnströme abzuleiten, in welchem Frequenzbereich diese Geräusche wahrgenommen werden. Danach wird abgeglichen, in welchen Frequenzen es draußen zu laut ist, wo also Schutz nötig wäre, damit das Gehör nicht dauerhaft geschädigt wird. Darüber hinaus machen die Forscher Blutuntersuchungen und Verhaltensstudien, um mehr über den Gesundheitszustand, die Lebensweise und Schutzmöglichkeiten der gefährdeten Tiere zu erfahren.

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