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Kühe und der Klimawandel – Das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf

25.01.2011, von , in Karte anzeigen

Die Kuh Björk in der Respirationskammer

Die Rindviecher dieser Welt tragen zum globalen Klimawandel bei, da sind sich die Experten einig. Die weltweit etwa 1,3 Milliarden Milch- und Schlachtrinder geben beim Atmen große Mengen CO2 ab, vor allem aber produzieren sie bei der Verdauung große Mengen des besonders klimaschädlichen Gases Methan. Am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf bei Rostock wollen die Wissenschaftler erfahren, wie viel Methan eine Kuh genau produziert. Ihnen geht es darum, wie unterschiedlich hoch die Methan-Produktion je nach Kuhrasse ist, und welche Rolle es spielt, ob die Tiere Gras oder Futterkonzentrat fressen. Jan Friese  war für uns dort, wo man dem Rülpsen und Pupsen der Rinder auf den Grund geht.

Zwei der vier Respirationskammern

Dummerstorf ist eine ländliche Region. Das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie liegt etwas außerhalb. Auf der einen Seite der Straße sind die Höfe und Stallungen mit den Tieren, direkt gegenüber das Institutsgelände, hier wird geforscht von der Genetik bis zum Verhalten der Tiere, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Dazu gehören natürlich auch die Rinder.  In einem langen, flach gestreckten Bau, findet sich das so genannte „Tier-Technikum“, hier können der CO2- und Methan-Ausstoß der Rinder in eigens dafür konstruierten Kammern gemessen werden.

Dr. Michael Derno & Dr. Monika Röntgen vor der Respirationskammer - Blick in die Kammer

Das Institut hat eigene Stallungen, einzigartig aber sind die vier selbst konstruierten Stahl-Kammern im Tier-Technikum. Die so genannten Respirationskammern – die Atem-Mess-Kammern – sind absolut luftdicht. Über den Kammern spannt sich ein ganzes Netz aus Röhren, Sicherheitsventilen, Abzugshauben, Druck- und Temperaturanzeigen. Alles scheint drauf ausgerichtet, Gas und Luftströme zu kontrollieren und zu messen. Dr. Michael Derno hat die Untersuchungskammer geplant, mit konstruiert und betreut nahezu jeden Versuch persönlich.

Die Tiere werden auch per Video überwacht

Im Futtertrog der Tiere ist eine Waage eingebaut, um fest zu stellen, welche gefressene Futtermenge zu welcher Menge CO2 und Methan führt. Alle Tiere werden per Videokamera und Lichtschranke überwacht, jede Bewegung wird registriert. In der so genannten GAS-Analytik werden alle Messdaten aus den Respirationskammern ausgewertet. Auf den Computer-Monitoren sieht man viele Graphen, Zahlen – hier werden alle Details aus den Kuh-Kammern angezeigt. So kann man beispielsweise nach der Fütterung der Tiere sehen, wie die Kohlendioxid-Menge hochgeht. Die Kühe fangen sofort an, das Futter umzusetzen und entsprechend geht auch die Methan-Konzentration hoch.

Melken geht nur mit Atemmaske und Sauerstoffschlauch

Regelmäßig werden Blut- und Milchproben genommen. Der Zutritt für die Mitarbeiter erfolgt nur über eine Luft-Schleuse und mit Atem-Maske, damit ihre „menschliche“ Atmung nicht die Ergebnisse verzerrt. Der Stoffwechsel der Tiere und sämtliche „Ausdünstungen“ werden so detailliert aufgezeichnet wie nirgendwo sonst auf der Welt. Diese Messdaten könnten helfen, die Rolle der Rinder beim Klimawandel besser zu verstehen und wie Zucht und Fütterung ihren Methan-Ausstoß minimieren könnten.

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