Werner Mezger

Prof. Werner Mezger ist Germanist und Volkskundler. Seit 1996 ist er Professor für Volkskunde in Freiburg und Direktor des Johannes Künzig-Institutes für ostdeutsche Volkskunde. Bekannt ist Mezger auch durch seine Rundfunk- und Fernsehsendungen über volks- und landeskundliche Themen. Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zur Volkskunde. Sein Schwerpunkt lag dabei auf derFasnet, über die er auch Aufsätze und Bücher für ein breites Publikum verfasste.

Photo von Werner Mezger

Antworten von Werner Mezger

Woher kommt der Brauch der Sonnwendfeuer in den Alpen? (08.10.2015)

Eine konkrete Frage, die aber vielschichtig zu beantworten ist. Alpen haben immer auch etwas mit dem Kalender zu tun. Schon in prähistorischer Zeit waren die Alpen zum Beispiel eine ganz gute Möglichkeit, die Zeit einzuordnen – nicht umsonst gibt es Gipfel in den Alpen, die etwa Mittagsspitze heißen. Ich kenne Bauern, etwa im Engadin in der Schweiz, die sich auf einen bestimmen Punkt auf ihrer Alb stellen, und dann können die einem auf zehn Minuten genau sagen, wie viel Uhr es ist. Die Alpen haben also alleine durch die Konturierung des Horizonts eine Zeitgliederungsdimension. [...] Antwort zu "Woher kommt der Brauch der Sonnwendfeuer in den Alpen?" lesen »

Verbundene Medien

Wie verändern sich Bräuche, wenn viele Menschen aus anderen Kulturen einwandern? (08.10.2015)

Das wird man in 50 Jahren genauer sagen können, aber so einfach möchte ich mich natürlich nicht aus der Affäre ziehen. Bräuche sind immer entstanden aus der Begegnung mit Kulturen, das muss man von vorne herein mal feststellen. Durch Zuwanderung und das Erscheinen von Menschen aus ganz anderen Kulturkreisen muss hier keine Weltuntergangsstimmung erzeugt werden. Nichts ist mehr so, wie's früher war, denn Bräuche haben sich immer gewandelt. Und alle Bräuche, die wir kennen, vor allem die bunten, farbigen, sind dadurch entstanden, dass unterschiedliche Kulturen einander begegnet sind. [...] Antwort zu "Wie verändern sich Bräuche, wenn viele Menschen aus anderen Kulturen einwandern?" lesen »

Verbundene Medien

Gibt es Bräuche aus vorchristlicher Zeit? (08.10.2015)

Halloween ist ein Beispiel dafür, wie man es mit der Kontinuität eigentlich nicht machen sollte. Halloween ist ein fast karnevalesker Brauch, bei dem die Menschen allerlei Unsinn machen. Man hat sehr viele Bräuche, auch die Fastnacht, von den „alten Germanen“ hergeleitet, aus heidnischer, aus grauer Vorzeit. Das war aber immer auch ein Legitimationstrick. Im 19. Jahrhundert war das der Fall; auch das "Dritte Reich" hat sehr daran mitgearbeitet. In der Zwischenzeit weiß man, dass man die Germanen nicht mehr bemühen sollte. Bei Halloween sind es die Kelten; manche sprechen von den Kelten als den "entnazifizierten Germanen" – dies jedoch nur als heitere Zwischenbemerkung. Mit solch großen Kontinuitäten sind wir in der Wissenschaft grundsätzlich vorsichtig. [...] Antwort zu "Gibt es Bräuche aus vorchristlicher Zeit?" lesen »

Verbundene Medien

Warum werden heute kaum noch Heimatlieder gesungen? (08.10.2015)

Die Dinge ändern sich, und so haben auch die Heimatlieder ihre ganz bestimmte Entstehungsgeschichte. Die meisten Heimatlieder stammen nicht aus Zeiten, als die Heimat noch genau so schön war, wie sie da besungen wird, sondern aus einer Verlusterfahrung heraus. Lieder wie "Am Brunnen vor dem Tore" oder "Im schönste Wiesengrunde" entstanden alle in der Zeit der Industrialisierung – zu einem Zeitpunkt also, als es die Idyllen, die in den Liedern beschrieben wurden, gar nicht mehr gab. [...] Antwort zu "Warum werden heute kaum noch Heimatlieder gesungen?" lesen »

Verbundene Medien

Welche Bedeutung hat Erntedank? (07.10.2015)

Es gibt Phänomene im Leben, die die Menschen nicht alleine in der Hand haben. Klimatische Veränderungen, Naturkatastrophen usw. mögen von Menschen beeinflusst sein, aber sie haben das nie alleine in der Hand. Und wenn die Ernte – also das, was man an Ressourcen zum Überleben braucht – in einem Jahr gut ausgefallen ist, hat man Grund, dankbar zu sein. Das drückt sich im christlichen, aber auch in anderen Kulturkreisen in den verschiedensten Formen der Danksagung aus. [...] Antwort zu "Welche Bedeutung hat Erntedank?" lesen »

Verbundene Medien

Warum feiert die orthodoxe Kirche Ostern an einem anderen Termin? (22.03.2013)

Das lässt sich mit der Kalendergeschichte erklären. Es gibt den julianischen Kalender, so wie Cäsar ihn konstruiert hat, und den gregorianischen Kalender, den Papst Gregor XIII. nachgeschärft hat, um Kalenderungenauigkeiten zu beseitigen. Heute divergieren der julianische und der gregorianische Kalender 13 Tage; in einigen Jahrzehnten werden es 14 Tage sein. Das heißt also, alle Feste, die an fixen Terminen im Kirchenjahr gefeiert werden, sind zwischen der orthodoxen und der christlichen west-römisch-katholischen Kirche um 13 Tage verschoben. [...] Antwort zu "Warum feiert die orthodoxe Kirche Ostern an einem anderen Termin?" lesen »

Verbundene Medien

Was hat es mit den Prozessionen an Palmsonntag auf sich? (22.03.2013)

Das ist zum einen seit einigen Jahrhunderten die Geschichte mit den Eiern. Zum anderen, wenn man die eher weltlichen Bräuche nimmt, der Glaube an den Osterhasen oder andere Eierbringer. Sehr viel stabiler sind all die Bräuche, die einen liturgisch-kirchlichen Hintergrund haben, etwa – um etwas vor Osten zurückzugehen, was wir am nächsten Sonntag wieder erleben werden – die Prozessionen am Palmsonntag. Dort wird daran erinnert, dass Christus vor seiner Passion triumphal in Jerusalem eingeritten ist, auf einem Esel sitzend. [...] Antwort zu "Was hat es mit den Prozessionen an Palmsonntag auf sich?" lesen »

Verbundene Medien

Worin hat der Aprilscherz seinen Ursprung? (22.03.2013)

Für die Scherze am 1. April gibt es unterschiedliche Erklärungen. Die häufigst genannte ist die, dass im April der Geburtstag des Judas sei. Und weil Judas so unverlässlich gewesen sei und Christus verraten habe, würde man die Leute am 1. April auch täuschen. Ob das eine wirklich stichhaltige Erklärung ist, weiß ich nicht. Wir schicken die Leute auch nicht zuletzt deswegen in den April, weil der April so ein wenig verlässlicher Monat ist; das Wetter ist überhaupt nicht vorhersehbar. In Italien übrigens ist die ganze Geschichte rein meteorologisch einen Monat früher. [...] Antwort zu "Worin hat der Aprilscherz seinen Ursprung?" lesen »

Verbundene Medien

Hat Ostern germanische Ursprünge? Und woher kommt der Name „Ostern“? (22.03.2013)

Diese Vermutungen, dass es hier germanische Ursprünge geb, sind sehr vage. Wir sind in der heutigen Volkskunde bzw. der Europäischen Ethnologie von diesen sogenannten Kontinuitätsprämissen mittlerweile abgerückt und zweifeln die germanischen Kontinuitäten an. Auch die Namensherleitung von Ostern geht in eine ähnliche Richtung – den Namen in Verbindung zu bringen mit einer angeblichen germanischen Göttin namens Ostara ist äußert schwierig. Denn es spricht vieles dafür, dass es eine solche germanische Göttin nie gegeben hat. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass aus dem Indogermanischen ein Wort wie „Ostra“ im Hintergrund gestanden haben könnte, das so viel bedeutet wie „Morgenröte“. [...] Antwort zu "Hat Ostern germanische Ursprünge? Und woher kommt der Name „Ostern“?" lesen »

Verbundene Medien

Gibt es in anderen Religionen auch ein „Osterfest“? (22.03.2013)

Zunächst ist Ostern ein an den christlichen Glauben gebundenes Fest. Ein Osterfest in diesem Sinn kann es daher im Islam und auch im Judentum nicht geben. Im jüdischen Glauben gibt es das Pessachfest. Das Pessachfest ist terminlich nah an das Osterfest gebunden, weil die Passion Christi im unmittelbaren zeitlichen Umfeld des jüdischen Pessachfestes stattgefunden hat. Das ist historisch nachgewiesen. Ostern ist aber ein rein christliches Fest und es ist der Höhepunkt des christlichen Kirchenjahres. [...] Antwort zu "Gibt es in anderen Religionen auch ein „Osterfest“?" lesen »

Verbundene Medien