Woher kommt der Ausdruck „etwas aus dem Effeff beherrschen“?

von Gabor Paal am 07.07.2011, Kommentar hinzufügen

Im Duden-Band über Redewendung heißt es: Das Wort stammt aus der Kaufmannssprache. Dort steht der Buchstabe f für fein, ff für sehr fein. Früher war es ja bei Abkürzungen so üblich, dass die Steigerung durch eine Verdoppelung der Buchstaben angedeutet wurde. Das kennen wir auch von piano – p oder pianissimo – pp.

Oder natürlich auch vom fortissimo – das ist ja auch ein ff.

Genau – nur das ff im Ausdruck – etwas aus dem Effeff können – stünde dann eben für finissimo – also sehr fein. Dieses Kürzel ist seit dem 17. Jahrhundert belegt. Soweit die Duden-Erklärung.
Es gibt aber ernstzunehmende Stimmen, die das anzweifeln weil sie sagen, der Ausdruck „etwas aus dem Effeff können“ ist offenbar doch schon älter als dieses Kaufmannskürzel.

Und woher könnte es dann sonst kommen?

Lutz Röhrich stellt in seinem „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“ tatsächlich einen Bezug her zum Fortissimo der Musik. Fortissimo heißt ja nicht nur sehr laut, sondern auch „sehr stark“. Und als Beleg dafür, dass der Ausdruck „aus dem Effeff“ daher rühren könnte, führt Röhrich ein paar schwäbische Redensarten an. So soll es im Schwäbischen Ausdrücke geben wie: dass man jemandem aus dem Effeff eine Ohrfeige passt. Oder einen Ausdruck wie: Man wird’s dir aus dem ff geigen. Ich muss zugeben, dass mir diese Ausdrücke auch in meiner Stuttgarter Zeit nie zu Ohren gekommen sind. Aber vielleicht kennt der ein oder andere unserer Hörer diese Redensarten.

Hm, klingt auch ein bisschen um die Ecke. Gibt es noch eine Möglichkeit?

Ja, der Sprachwissenschaftler Christoph Gutknecht hat in seinem Buch „Blühender Unsinn“ noch zwei weitere mögliche Quellen zusammengetragen. Nämlich zum einen ein Kürzel aus der italienischen Stadtverwaltung. Nehmen wir an, dort haben Bürger beim Magistrat etwas beantragt oder eine Petition eingereicht. Diese Petition wurde dann begutachtet und wenn die Beamten fanden, ja, dieses Begehren ist berechtigt, dann schrieben sie auf das Papier ein F. Dieses F stand dann für fiat; lateinisch: Es geschehe.

Wenn im Magistrat wiederum wirklich die einhellige Auffassung bestand, dass dem Gesuch stattzugeben sei, hängte man ein weiteres f an, also ff: fiat fiat: Soll heißen: Es geschehe ohne weitere Verzögerung. Der Antrag wurde sozusagen durchgewunken. Wenn nun jemand etwas aus dem Effeff beherrscht, dann muss er ja auch nicht lang nachdenken, sondern winkt sein Wissen sozusagen durch.

Nach einer letzten Erklärungsvariante geht das ff schon aufs Mittelalter zurück bzw. auf die Rechtswissenschaftler der damaligen Zeit. Diese Juristen haben in ihren gelehrten Schriften immer wieder auf römische Rechtssprüche Bezug genommen – unser Recht geht ja in vielerlei Hinsicht auf das römische Recht zurück. Und es gibt eine Sammlung oströmischer Rechtssprüche, die sich Pandekten nannte. Wenn die mittelalterlichen Juristen diese römischen Pandekten zitiert haben,  haben sie sie mit einem griechischen Pi abgekürzt – pi für „Pandekten“. Ein Pi, das kennen wir alle aus dem Matheunterricht, besteht aus zwei senkrechten Strichen mit einem flachen Dach drüber. Wenn man das aber schnell mit der Hand schreibt, kann es passieren, dass dieses Dach vom Pi nach unten rutscht, und schon hat man etwas, das aussieht wie ein doppeltes ff.

Nun hatte das römische Recht eine starke Autorität, das heißt, was aus dem ff abgeleitet werden konnte, das galt als wirklich fundiert. Und es gibt eine Reihe von Sprachwissenschaftlern, die halten diese, zugegebenermaßen etwas umständliche Erklärung, für die wahrscheinlichste.

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Beantwortet von Gabor Paal am 07.07.2011 in Geschichte und Archäologie, Sprache und Redewendungen, Stichworte: , , , , , .

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