Führt die größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich zu verstärktem Extremismus oder Rassismus?

von Christoph Butterwegge am 23.10.2009, Kommentar hinzufügen

Ich bin auch Rechtsextremismusforscher und beschäftige mich mit dem Rassismus. Da gibt es eine Beziehung zur Armut. Nicht in dem Sinne, dass die Armen hergehen und die Türken totschlagen, also zu Rassisten werden oder zu Rechtsextremisten. Aber schon in dem Sinne, dass wenn die Verteilungsspielräume in der Gesellschaft so verengt werden – übrigens nicht dadurch, dass das Land ärmer wird, das war noch nie so reich wie heute – sondern dadurch, dass die Verteilungsschieflage immer größer wird, dann gibt es ein größeres Gewaltpotenzial.

Und es gibt natürlich auch die Tendenz, dass in der Gesellschaft zumindest Ideologien stärker werden, die andere ausgrenzen und herabwürdigen. Und wenn man die Diskussion sieht, die Thilo Sarrazin ausgelöst hat – die sich ja gegen die Migranten und Migrantinnen richtet und wo der Unterton bei vielen sofort ist: Die nehmen uns was weg! Die plündern unsere Sozialsysteme aus! – dann wird klar, dass eine solche Entwicklung, nämlich der Zerfall in Arm und Reich, auch den Rassismus fördert und damit Vorurteile schürt und damit auf vielfältige Weise Feindbildern Vorschub leistet. Um diese Feindbilder, den Rechtsextremismus und den Rassismus zu verringern und vielleicht sogar zu bekämpfen ist es auch nötig, dass die Gesellschaft eine sozial befriedigende Entwicklung nimmt. Das heißt, dass man zusieht, dass soziale Gerechtigkeit nicht mit Füßen getreten wird, und vor allen Dingen Arm und Reich nicht zu stark auseinanderklaffen.

Informationen zu dieser Antwort:

Beantwortet von Christoph Butterwegge am 23.10.2009 in Wirtschaft & Soziales, Stichworte: , , , .

Weitere Möglichkeiten:

Antwort drucken

Kommentare zu „Führt die größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich zu verstärktem Extremismus oder Rassismus?“

Noch sind keine Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

Kommentar schreiben

Name und Email müssen angegeben werden, die Email-Adresse wird nicht innerhalb der Kommentare angezeigt.

*