Wie definiert man „Armut“?

von Christoph Butterwegge am 23.10.2009, 2 Kommentare

Armut ist kein Begriff, für den es eine allgemeingültige Definition gibt. Auch ein Armutsforscher wie ich ist damit überfragt, weil jeder vielleicht seine eigene Vorstellung im Kopf hat. Die Gesellschaft insgesamt übrigens diskutiert ständig darüber, was sie unter Armut versteht. Es ist ein sehr umstrittener Begriff.

Um einer Definition näherzukommen, teilt die Armutsforschung die Armut in relative und absolute Armut. Dabei versteht sie unter absoluter oder existenzieller Armut, dass Menschen am oder unter dem physischen Existenzminimum leben, also verhungern, verdursten, kein Obdach haben. Und unter relativer Armut versteht man die Armut, mit der wir es meistenteils in der Bundesrepublik zu tun haben. Dass Menschen nämlich keineswegs hungern oder verhungern, obwohl es das bei uns leider auch gibt. Genauso wie obdachlose Menschen in harten Wintern erfrieren. Aber meistenteils ist es bei uns eine relative Armut, die dadurch definiert ist, dass die einen eben viel haben und die anderen so wenig, dass sie sich abgekoppelt fühlen.

Man geht dann willkürlich her und setzt irgendwelche Einkommensgrenzen fest. 50 oder 60 Prozent des durchschnittlichen gewichteten Haushaltsnettoeinkommens. Wer darunter liegt ist in diesem Sinne relativ arm und so verhält sich auch die Bundesregierung. Die nimmt eine solche Stufe, eine Schwelle – Armutsrisikoschwelle nennt sie das – von 60 Prozent des gewichteten Durchschnittseinkommens. Ich finde, das ist immer unbefriedigend, aber es gibt natürlich Aufschluss darüber, wie sich Armut und Reichtum im Lande verteilen.

Informationen zu dieser Antwort:

Beantwortet von Christoph Butterwegge am 23.10.2009 in Wirtschaft & Soziales, Stichworte: , , , .

Weitere Möglichkeiten:

Antwort drucken

Kommentare zu „Wie definiert man „Armut“?“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

Olaf Henke schreibt am 02.08.2016

Nachwuch droht Gehalt auf Hartz-4-Niveau

Ende der Wohlstands-Ära: Die Jungen werden ärmer als ihre Eltern

http://www.stern.de/wirtschaft/geld/mckinsey-studie–die-jungen-werden-aermer-als-ihre-eltern-6971346.html

oder auch ganz lecker: Verarmung als Megatrend – siehe auch: https://www.berlinjournal.biz/verarmung-kinder-aermer-als-eltern/

Laut Politik müsse man sich „integrieren“ (nach Definition der Politik was das denn angeblich sei). Dazu braucht es in der heutigen Zeit üppige Geldmittel, die die meisten Leute, die angeblich „nicht integriert“ sind (auch sehr viele Deutsche).

Auf einen Zusammenhang stieß die britische Soziologin Marii Peskow in der European Social Survey (ESS): Demnach sei die Bereitschaft zur Wohltätigkeit in egalitären Gesellschaften deutlich schwächer ausgeprägt, als in solchen mit großen Einkommensunterschieden. Die Erklärung dafür liege im sozialen Statusgewinn, den Wohlhabende in ungleichen Gesellschaften erfahren würden, wenn sie Schwächere unterstützten. In egalitären Gesellschaften herrsche hingegen das Bewusstsein vor, dass dank des Sozialstaats für die Schwachen schon gesorgt sei.

Faulheit gilt in den westlichen Industrienationen als Todsünde. Wer nicht täglich flott und adrett zur Arbeit fährt, wer unbezahlte Überstunden verweigert, lieber nachdenkt als malocht oder es gar wagt, mitten in der Woche auch mal bis mittags nichtstuend herumzuliegen, läuft Gefahr, des Schmarotzertums und parasitären Lebens bezichtigt zu werden.

Nein, stopp: Nur die armen Arbeitslosen fallen in die Schublade »Ballastexistenz«. Millionenerben, Banker- und Industriellenkinder dürfen durchaus lebenslang arbeitslos und faul sein. Sie dürfen andere kommandieren, während sie sich den Bauch auf ihrer Jacht sonnen.

Früher glaubten viele Menschen an einen Gott. Wie viele heute noch glauben, da oben säße einer, der alles lenke, weiß ich nicht. Das ist auch egal. Gottes ersten Platz hat im modernen Industriezeitalter längst ein anderer eingenommen: Der »heilige Markt«. Der Finanzmarkt. Der Immobilienmarkt. Der Energiemarkt. Der Nahrungsmittelmarkt. Und der Arbeitsmarkt.

Der Arbeitsmarkt ist, wie der Name schon sagt, zum Vermarkten von Arbeitskraft da. Wer kein Geld und keinen oder nur sehr wenig Besitz hat, verkauft sie. Die Eigentümer der Konzerne konsumieren sie, um daran zu verdienen. Das geht ganz einfach: Sie schöpfen den Mehrwert ab. Sprich: Der Arbeiter bekommt nur einen Teil seiner Arbeit bezahlt. Den Rest verrichtet er für den Gewinn des Unternehmers.

Arbeit verkaufen, Arbeit konsumieren: So geschieht es seit Beginn der industriellen Revolution. Denn Sklaverei und Leibeigenschaft wurden ja, zumindest auf dem Papier, abgeschafft.

Solange Furcht vor Strafe, Hoffnung auf Lohn oder der Wunsch dem Über-Ich zu gefallen, menschliches Verhalten bestimmen, ist das wirkliche Gewissen noch gar nicht zur Wort gekommen. (VIKTOR FRANKL)

Die Todsünde der Intellektuellen ist nicht die Ausarbeitung von Ideen, wie fehlgeleitet sie auch sein mögen, sondern das Verlangen, diese Ideen anderen aufzuzwingen (Paul Johnson)

Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden, in lockende Gestalt… (Shakespeare)

Das Heimweh nach der Barbarei ist das letzte Wort einer jeden Zivilisation (Cioran)

Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher (Voltaire)

Die Gefahr ist, dass die Demokratie zur Sicherung der Gerechtigkeit für diese selbst gehalten wird (Frankl)

Absolute Macht vergiftet Despoten, Monarchen und Demokraten gleichermaßen (John Adams)

Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer (Schopenhauer)

Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkennen (Kant)

Denn mancher hat, aus Furcht zu irren, sich verirrt (Lessing)

Die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus… (Goethe)

Immer noch haben die die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen (Hölderlin)

So viele Gefühle für die Menschheit, dass keines mehr bleibt für den Menschen (H. Kasper)

„Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden“ (Helmut Schmidt)

anonym schreibt am 23.08.2016

Menschliche Muskel- oder Hirn- Arbeit ist eine Leistung.
Und Lohn ist nur Preis für Arbeit, und der wird wie jeder Preis durch Nachfrage geregelt.
Je leistungsfähiger Alternativen wie Roboter, Maschinen, Software, bzw. Arbeitswilligen- Überangebot werden, wird der Marktpreis für Lohn fallen.

Deshalb sind die Armut Definitionen und Theorien am bröckeln!
Das Boot ist schon lange voll. Wer ein Job ergattert, der verdrängt Andere in teure Sozialleitungen, die Andere noch finanzieren. Bis das System zusammenbricht!!!
Was Armut ist und sein wird, bestimmt im Endeffekt nur Menge der Jobs für die wirtschaftlicher Bedarf gegeben ist, und die Anzahl der Arbeitswilligen in einen System.
Diese Fakten wird oft verdrängt…

Kommentar schreiben

Name und Email müssen angegeben werden, die Email-Adresse wird nicht innerhalb der Kommentare angezeigt.

*