„Ich kenne meine Pappenheimer“ – hat das mit dem Pappenheim bei Nördlingen zu tun?

von Rolf-Bernhard Essig am 18.08.2009, Kommentar hinzufügen

Es handelt sich um ein geflügeltes Wort. „Geflügeltes Wort“ kommt eigentlich aus der Übersetzung der Ilias und zwar wird das immer wieder von Voß so aus dem Griechischen übersetzt: „Und er sprach die geflügelten Worte“. Damit bezeichnet die Sprachwissenschaft ein Zitat, das wie eine Redensart oder ein Sprichwort allgemein verwendet wird, von dem man aber in der Regel noch weiß, woher es stammt. In diesem Fall stammt es aus „Wallenstein“ bzw. der Wallenstein-Trilogie von Friedrich Schiller. Wallenstein sagt da an einer Stelle, als sich die Pappenheimer so ein bisschen unklar darüber sind, ob sie zu Wallenstein halten sollen oder nicht: „Ich kenne meine Pappenheimer“.

Das bedeutet, er weiß genau wie sie sind, er kennt sogar einzelne Personen dieses Regimentes. Es handelt sich um das Regiment der Pappenheimer, die unter Wallenstein in seinem Heer tatsächlich gekämpft haben und eine Art Elitekampftruppe waren. Er sagt also, „dran erkenne ich meine Pappenheimer“ – an ihrer Gesinnung, ich kenne aber auch jeden Einzelnen.

Das Interessante ist: Im Stück selbst wird sich herausstellen, dass sowohl die Pappenheimer sich in Wallenstein täuschen als auch Wallenstein sich in den Pappenheimern täuscht.
Nichts desto trotz wurde es sehr oft verwendet, man sagte: „Ich kenne meine Pappenheimer“. Eigentlich hat man damit gemeint: „Ich weiß, wie die sind.“ Aber jetzt sagt man das ja auch misstrauisch nach dem Motto: „Bei dem weiß ich schon, dass das für mich nicht angenehm sein wird – ich kenne meine Pappenheimer“. Das ist ja auch eine halbe Drohung und das hat sich im Lauf der 150, 200 Jahre sehr stark verändert. Das ist nicht untypisch für Sprichwörter und Redensarten, dass sei ein eigenes Leben führen. Und gerade, wenn man sie ironisch verwendet, können sie ganz anders heißen. Sie kennen sicher auch von Ihrem Vater: „Das passt wie die Faust aufs Auge“ – das kann man ja inzwischen positiv wie negativ verwenden.

Eigentlich zunächst negativ, denn Faust und Auge passen ja gar nicht so gut zusammen.

Ich hatte mal das Vergnügen, in einer Sprichwörtersendung des SWR neben Regina Halmich zu sitzen. Und da sagte sie: „Wieso, die Faust passt doch aufs Auge!?“ Und für einen Boxer stimmt das ja auch. Wenn man aufs Auge getroffen hat, dann ist das ein prima Schlag. Aber ursprünglich hieß es natürlich: „Das passt nicht.“ Aber wenn man das ironisch sagt, dann wird es auf einmal passend. Das Ironische heißt ja, dass man etwas einfach ins Gegenteil dreht und dabei aber jeder weiß, was gemeint ist. Wenn man aber den Zusammenhang nicht mehr kennt, dann denkt man: „Ja, die Faust passt aufs Auge“ – ohne nachzudenken.

Ja, und das ist ja auch der Sinn eines Sprichwortes, dass es lebt und eingebettet ist in die Gesellschaft.

Sehr richtig.

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