Ist Autofahren bei offenem Fenster oder mit Klimaanlage besser?

von Gabor Paal am 30.07.2009, 3 Kommentare

Wenn ich bei heißem Wetter Auto fahre, was ist, vom Spritverbrauch gesehen, besser: Mit offenem Fenster fahren oder mit Klimaanlage?

Offenes Fenster oder lieber doch die Klimaanlage? (Foto: dpa)

Offenes Fenster oder lieber doch die Klimaanlage? (Foto: dpa)

Es gibt eine Faustregel, und die lautet: Bei kleineren Geschwindigkeiten im Ortsverkehr lieber das Fenster aufmachen, bei höherem Tempo lieber die Klimaanlage einschalten. Denn es ist ja so: Am offenen Fenster verwirbelt sich die Luft, dadurch entsteht ein zusätzlicher Luftwiderstand, und dieser zusätzliche Luftwiderstand wächst exponentiell mit der Geschwindigkeit: Je schneller man fährt, desto schneller verwirbelt sich die Luft und man braucht also mehr Energie.

Bei der Klimaanlage ist es dagegen umgekehrt: Bei höheren Geschwindigkeiten braucht sie weniger Energie, weil das Auto in Bewegung ist und sich dadurch nicht so stark aufheizt, wie wenn es in der prallen Sonne stehen würde; die Klimaanlage muss dadurch also nicht so viel runterkühlen.

Beim offenen Fenster steigt also der Energiebedarf mit wachsender Geschwindigkeit, und bei der Klimaanlage sinkt der Energiebedarf mit wachsender Geschwindigkeit. Das heißt, dass es irgendwo einen Punkt gibt, an dem das eine besser ist als das andere. Als Richtwert sagt man, dass dieser Punkt etwa bei 70 bis 100 Stundenkilometern liegt. Ungefähr ab da ist die Klimaanlage auf jeden Fall besser. Im Einzelfall hängt das auch von der Bauart der Klimaanlage ab. Es gibt Klimaanlagen, die kaum noch etwas verbrauchen, also maximal vielleicht 0,2 Liter auf 100 km.

Und natürlich kommt es auch darauf an, wie weit man die Temperatur herunterkühlen muss, denn wenn man es wirklich richtig kalt haben will, dann braucht die Klimaanlage natürlich auch viel mehr Energie, als wenn man es auf gemütliche 22 Grad heizen möchte. Faustregel also: Bei 70 bis 100 Stundenkilometern ist die Klimaanlage günstiger als das offene Fenster.

Vielleicht noch ein Tipp: Wenn man losfahren möchte und das Auto davor in der prallen Sonne stand und entsprechend aufgeheizt ist, dann sollte man erst mal gut durchlüften und bei leicht offenem Fenster losfahren, bis die ganz heiße Luft draußen ist. Denn es ist für die Klimaanlage wirklich ein Riesenunterschied, ob sie von 45 Grad herunterkühlen muss oder vielleicht nur von 26 oder 27 Grad. Also erst mal die Luft austauschen, und dann erst die Klimaanlage einschalten.

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Beantwortet von Gabor Paal am 30.07.2009 in Mathematik und Physik, Verkehr und Mobilität, Stichworte: , , , .

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Kommentare zu „Ist Autofahren bei offenem Fenster oder mit Klimaanlage besser?“

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Christian W schreibt am 17.08.2009

„Bei der Klimaanlage ist es dagegen umgekehrt: Bei höheren Geschwindigkeiten braucht sie weniger Energie, weil das Auto in Bewegung ist und sich dadurch nicht so stark aufheizt, wie wenn es in der prallen Sonne stehen würde; die Klimaanlage muss dadurch also nicht so viel runterkühlen.“

Warum sollte ein Fahrzeug das sich bewegt weniger aufgeheizt werden?
Eindringender Strahlung sollte es doch egal sein ob sich das Auto bewegt oder nicht. Ein bewegtes Auto hat nur üblicherweise einen permanenten Luftaustausch, aber ist das schon der ganze Effekt der zu einer reduzierten Kühlleistung führt?

Oder aber ist der zusätzliche Verbrauch durch die Klimaanlage gleich, nur irgendwann der Punkt gekommen an dem der zusätzliche Verbrauch der offenen Fenster den der Klima übersteigt?
Ich bin auf jeden Fall nicht der Meinung dass eine höhere Geschwindigkeit zu einem niedrigeren zusätzlichen Verbrauch durch die Klimaanlage führen kann.

Gabor Paal schreibt am 17.08.2009

Der Grund für den niedrigeren Verbrauch bei höherer Geschwindigkeit ist nicht die Strahlung, die durch die Fenster eindringt – die bleibt in der Tat gleich – als um die Wärmeleitung über die Karosserie. Wenn das Auto steht, kann sich die Karosserie durch Strahlungsabsorption auf „Spiegelei-Brat-Temperaturen“ aufheizen und leitet diese Hitze weiter in den Innenraum. In der Fahrt wird sie ständig durch den Gegenwind zumindest schonmal auf Außentemperatur zurückgekühlt. Im übrigen kann auch der Motor bei langsamer Fahrt heißer werden und dadurch die Karosserie ein Stück mit aufheizen.

Enterprise123 schreibt am 08.03.2017

Also ich habe mal gehört, dass es sich letztendlich gar nicht so viel nimmt. Wer das Mitsubishi Klimagerät ausstellt und mit offenem Fenster fährt, hat dafür höheren Luftwiderstand, der auch den Verbrauch erhöht.

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