Warum gibt es nicht viel mehr biologisch abbaubares Plastik?

von Gabor Paal am 28.05.2018, Kommentar hinzufügen

Das wäre schön: Kunststoffe herzustellen, die wir nicht über Jahrtausende der Nachwelt hinterlassen, die sich nicht im Meer anreichern, sondern biologisch abgebaut werden. Hier gibt es aber ein Kernproblem: Die Materialien sollen sich zersetzen können –, aber natürlich nicht, solange sie in Gebrauch sind. Da sollten sie halten und stabil sein. Beides schließt sich gegenseitig aus: Entweder ich habe Plastiktüten, die lange halten und eine Jacke aus Kunstfasern, die Wind und Sonne abhält und waschbar ist – dann kann ich aber von diesen Materialien nicht gleichzeitig erwarten, dass sie, sobald ich sie nicht mehr brauche, schön kompostierbar sind.

Abbaubare Kunststoffe: eine Frage der Temperatur

Ausnahmen sind Kunststoffe, die für medizinische Zwecke eingesetzt werden, also z.B. Nähte, die sich im Körper selbst auflösen. Das funktioniert deshalb, weil diese Materialien stabil bleiben, solange man sie kühl lagert. Und man kann sie so designen, dass sie bei einer Temperatur von konstant 37 Grad, wie sie im Körper herrscht, abgebaut werden.

Das ist aber die Ausnahme. Denken wir an Plastiktüten im Meer. Das Meer ist ein kühler Ort – wie kann ich Plastiktüten herstellen, die im Alltag unter normalen Umweltbedingungen stabil sind, aber dann im Meer plötzlich abgebaut werden? Diesen Widerspruch aufzulösen, damit tut sich die Forschung noch sehr schwer.

Ein schönes Beispiel ist Polylactid – also die Plastik-Teebeutel. Das Polylactid ist biologisch abbaubar, aber nur bei höheren Temperaturen, wie sie in industriellen Kompostanlagen herrschen. Aber auf dem Komposthaufen oder im Meer bleibt es lange erhalten.Abbaubare Tüten (Bild: dpa)

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Beantwortet von Gabor Paal am 28.05.2018 in Mathematik und Physik, Stichworte: , , , , .

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