Wie begegne ich der Angst vor dem Tod am besten?

von Sven Gottschling am 16.02.2017, Kommentar hinzufügen

Da gibt es keine Patentrezepte, die ich als Arzt nennen kann. Es kommt darauf an, was für Ängste das sind: Sind das Ängste vor Schmerzen, sind das Ängste vor irgendwelchen Beschwerden, die nicht unter Kontrolle zu bringen sind? Da kann ich Sie schon ein Stück weit beruhigen, da wir die allermeisten körperlichen Beschwerden sehr wirksam lindern können. Als letzte Möglichkeit – wenn alle Medikamente nicht mehr greifen – können wir jemanden auch mit Medikamenten bis ins künstliche Koma abschirmen, wie zum Beispiel einen schweren Unfallverletzen. Und das ist ein Versprechen, das wir Palliativmediziner in diesem Bereich geben können: Wir halten mit aus, wir lassen Menschen nicht alleine. Jeder darf sich sicher sein, dass er von uns nicht den vernichtenden Satz hört: „Wir können für sie nichts mehr für Sie tun“. Ich sage immer, wenn den anderen nichts mehr einfällt, dann geht’s bei uns erst so richtig los. Das was ich natürlich für keinen Menschen lösen kann, ist die Angst vor dem „was kommt danach“. Ich weiß es für mich auch nicht –ich hoffe das es gut wird – aber so ein bisschen eine Restunsicherheit habe ich schon auch.

Krishnamurti sagt: „Die Seele ist ein ewiges Wesen – wir kriegen das Leben nur, damit die Seele sich weiterentwickelt –alle Probleme und Aufgaben“. Ich bin immer der Meinung, ich habe noch nicht alle Aufgaben gelöst und hoffentlich habe ich noch genug Zeit, um noch mehr zu lösen.

Aber das ist doch ein total tröstliches Bild und ich finde es immer wichtig, dass man Bilder hat, die für einen selbst funktionieren und dann ist das doch schon etwas, was Angst nimmt.

Ja, zum Teil hab ich auch weniger Angst. Zwei Mal war ich auch schon kurz davor, dass ich weg gewesen wäre. Also ich war nach Kriegsende traumatisiert und wollte dann nicht mehr leben und habe dann dafür gesorgt, dass ich schon zwei Mal fast weg gewesen wäre – aber ich bin Gott sei Dank immer noch da und darf hoffentlich noch viel lernen und umsetzen – daran bin ich auch sehr interessiert. Ich hab immer so eine Vorstellung, das der Liebe Gott mit erhobenem Zeigefinger vor mir steht und sagt „ich gab dir Talente mit auf deinen Lebensweg, aber was hast du aus meinen Talenten gemacht“.

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Beantwortet von Sven Gottschling am 16.02.2017 in Psychologie und Gehirn, Stichworte: , , , , .

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