Warum gibt es in Deutschland weniger Wassertürme als in Frankreich?

von Gabor Paal am 22.07.2015, 2 Kommentare

Die Beobachtung ist richtig: In Frankreich stehen ungefähr 16.000 Wassertürme – in Deutschland sind es vielleicht 2.000. Das hat zum Teil historische Gründe. Die meisten Wassertürme sind Bauwerke des 19. Jahrhunderts und sehen oft auch sehr schön aus. Sie sind entstanden, als die Städte gewachsen sind, als es dort einen großen Bedarf an sauberem Trinkwasser gab. Und sie haben geholfen, einen konstanten Wasserdruck in den Leitungen aufrecht zu erhalten. Das funktioniert nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren: Wenn ich Wasser von einem Punkt aus einer bestimmten Höhe durch eine Leitung herablasse, „will“ das Wasser am anderen Ende der Leitung wieder diese Höhe erreichen. – Die Gebäude, in die die Leitungen münden, liegen aber niedriger. Deshalb steht das Wasser am Ende der Leitung – also am Wasserhahn – unter einem entsprechend konstanten Druck.

Das war die Idee hinter den Wassertürmen. Heute kann man das aber mit elektrischen Pumpwerken einfacher und billiger lösen. Wassertürme sind teuer, sie müssen instand gehalten werden und man muss sicherstellen, dass sich kein Unbefugter Zutritt verschafft. Da sind Erdbehälter mit Pumpen im Verhältnis vier bis fünf Mal günstiger. In gebirgigeren Gegenden tun es auch Wasserbehälter auf einer Anhöhe über der Stadt.
Und jetzt komme ich zur historischen Seite: Die Deutschen waren Anfang des 20. Jahrhunderts Vorreiter bei diesen neuen Verfahren und sind deshalb früher auf Erdspeicher umgestiegen. Dagegen setzten die Franzosen weiter auf Wassertürme, zumal man damals mithilfe des aufkommenden Stahlbetons solche Türme relativ schnell und schlicht bauen konnte. So gibt es in Frankreich heute in der Tat mehr solcher Türme – oft sind das aber keine schönen Backsteinbauten wie bei uns, sondern diese sehr funktionalen Betonbauten.

Was den deutschen und den französischen Wassertürmen aber gemeinsam ist: Die allerwenigsten werden noch in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt. Eben weil man heute andere, billigere Techniken hat. Die Wassertürme, die man heute noch sieht, stehen oft unter Denkmalschutz oder dienen heute einer anderen Verwendung – als Veranstaltungsort, Planetarium, Hotel, Fitnesscenter, als Fernsehturm wie auf dem Heidelberger Königstuhl oder einfach als Baudenkmal wie der bekannte Wasserturm in Mannheim.

Der Wasserturm in Mannheim - historische Aufnahme (dpa)

Der Wasserturm in Mannheim – historische Aufnahme (dpa)

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Beantwortet von Gabor Paal am 22.07.2015 in Architektur und Bauen, Geschichte und Archäologie, Stichworte: , , , .

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Kommentare zu „Warum gibt es in Deutschland weniger Wassertürme als in Frankreich?“

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Rudolf Dannecker schreibt am 08.02.2018

Hat jemand die „Geographischen Koordinaten“ von den 16 000 Wassertürmen von Frankreich . MfG. D.

Rudolf Dannecker schreibt am 13.02.2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin begeisterter Wasserturm-Fan und hätte gern die geographischen Koordinatoren von den 16.000 Wassertürmen in Frankreich.

Können Sie mir da behilflich sein?

mit freundlichen Grüßen aus Reutlingen

Ihr Rudolf Dannecker

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