Warum sind Spaghetti so lang?

von Gabor Paal am 06.05.2015, Kommentar hinzufügen

Weil es sonst keine Spaghetti wären! Spaghetti ist der Plural von Spaghetto, und das wiederum eine Verkleinerungsform von Spago, was „dünner Faden“ bedeutet. Daneben gibt es für Nudeln viele weitere Darreichungsformen: Rigatoni, Maccheroni, Spinelli, Fettuccine, Farfalle usw. Und die lange, fadenförmige Variante hat man nun mal Spaghetti genannt.
Trotzdem ist es eine berechtigte Frage, warum ausgerechnet diese Variante zum Inbegriff aller Pasta-Speisen geworden ist. Es ist auf jeden Fall die Variante, die Kinder als erstes kennenlernen. Ich kenne kein Kind, das sagen würde, sein Lieblingsessen seien Rigatoni, aber ich habe eine Menge Kinder kennengelernt, die von Spaghetti schwärmen.
Warum nun also ausgerechnet Spaghetti? Das hängt sicher damit zusammen, dass die Fadenform bei der Herstellung ziemlich praktisch ist. In dieser langen dünnen Form trocknet der Teig nämlich ziemlich schnell. Das war früher noch wichtiger als heute, denn den getrockneten Teig konnte man lange aufbewahren – und Spaghetti halten sich bekanntlich lange.
Es gibt historische Quellen, insbesondere einen Bericht des arabischen Geografen Al-Idrisi aus dem 12. Jahrhundert. Der hat damals Sizilien bereist und hielt es für berichtenswert festzustellen, dass in Trabia – einem Ort östlich von Palermo – solche langen getrocknete Nudeln nicht nur hergestellt, sondern auch exportiert wurden. Das war noch bevor Marco Polo nach China reiste – und dort ebenfalls mit der langen Nudel konfrontiert wurde. Die Chinesen haben ja auch lange Nudeln hergestellt, allerdings vermutlich aus Reismehl oder zumindest einem Reis-Weizen-Gemisch. Die waren auch lang und dünn aus dem gleichen Grund: Man konnte sie mithilfe einer Presse einfach herstellen und schnell trocknen.
Insofern haben die langen dünnen Spaghetti einfach Tradition; im Handel gibt es deshalb ja auch die schönen extralangen. Trotzdem: Tradition rechtfertigt nicht alles, und bei den heutigen Produktionstechniken spielen diese Form-Vorteile der Spaghetti keine große Rolle mehr. Vielleicht eher die Lagerung: Spaghetti lassen sich dichter packen als Rigatoni oder Spinelli und beanspruchen daher weniger Platz im Regal oder im Transporter.
Richtig ist: Beim Essen stellen die langen Nudeln eine gewisse Gefahr dar, genauer: Die Nudeln in Kombination mit den gelegentlich farbenfrohen Soßen. Doch wären kürzere Spaghetti wirklich praktischer? Die lange Form hat immerhin den Vorteil, dass man sie gut um die Gabel wickeln kann und sie dann dort auch bleiben. Mit kürzeren – zum Beispiel halbierten oder geviertelten Spaghetti – geht das gar nicht mehr so leicht; die fallen dann eher mal runter. Insofern ist eine gewisse Mindestlänge schon sinnvoll. Richtig ist aber: Andere Pasta-Formen, die sich eher aufspießen lassen – wie eben Rigatoni – sind für weiße Hemden die sicherere Variante. Aber dann sind es eben keine Spaghetti mehr.

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Beantwortet von Gabor Paal am 06.05.2015 in Kochen und Ernährung, Stichworte: , , , , , .

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