Muss Rotwein eine Stunde vor dem Genuss atmen oder gilt das heute nicht mehr?

von Werner Eckert am 09.10.2014, Kommentar hinzufügen

Es ist wahr, dass viele junge Rotweine davon profitieren, dass sie ordentlich Luft abkriegen. Ich öffne diese Weine daher nicht nur eine Stunde vorher, sondern ich mache diese jungen Rotweine, also aus dem Vorjahr oder Vorvorjahr, bei Barrique auch drei- oder vierjährige Weine auf und lasse sie ganz dramatisch in eine große Karaffe „pullern“, sodass es sprudelt und lüftet. Das ist dann kein Dekantieren, sondern ein Lüften des Weins. Und dieses Lüften lässt die Weine etwas runder werden, wenn sie etwa sehr viel Holz, sehr viele Gerbstoffe haben. Das ist das, was die Zähne so pelzig macht. Wenn dieses Pelzigkeit noch auftritt, fehlt Reife; wir trinken viele bessere Rotweine zu jung. Das Lüften ist ein Weg, um dieses Weine zugänglicher zu machen.
Da auch immer mehr Weißweine etwas „auf der Maische stehen“ – die Trauben werden nicht sofort gepresst, sondern stehen mit ihren Schalen gequetscht eine Weile herum – ziehen sie Gerbstoffe. Und daher ist es bei manchen Weißweinen heute ebenfalls empfehlenswert, die ein bisschen zu lüften. Das macht sie schöner, runder, besser.
Lüften lohnt sich also bei Weinen, die Holzeinfluss haben und noch nicht den Reifehöhepunkt erreicht haben.

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Beantwortet von Werner Eckert am 09.10.2014 in Kochen und Ernährung, Stichworte: , , , , , , , , , , , , , .

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