Warum heißt der Boxring „Ring“, wenn er doch quadratisch ist?

von am 01.07.2014, Kommentar hinzufügen

Der quadratische Boxring wurde 1838 eingeführt, durch eine Reform der London Prize Ring Rules. Der Boxsport ist allerdings fast zweihundert Jahre älter. Und in den Anfängen standen die Zuschauer tatsächlicher meist in einem Kreis um die Kämpfer herum – ähnlich wie bei einem Straßenspektakel. Das Kampffeld war somit kreisförmig und die Grenze des Feldes wurde entsprechend Ring genannt. Als dann 1838 die neuen Regeln eingeführt wurden, war der Begriff Boxring gleichbedeutend mit der äußeren Abgrenzung des Kampffeldes – und die Tatsache, dass das Kampffeld plötzlich quadratisch wurde und mit Seilen umspannt war, hat daran dann nichts mehr geändert.

Der „Boxring“ ist somit ein Paradebeispiel für ein sprachliches Phänomen, dem man immer wieder begegnet. Nämlich eine spezielle Variante dessen, was Sprachwissenschaftler als „lexikalischen Bedeutungswandel“ bezeichnen: Es gibt einen Begriff, der durch bestimmte Hauptmerkmale definiert ist. Wie eben Ring = kreisförmig. Gleichzeitig aber wird der Begriff im Alltag noch mit anderen Neben-Eigenschaften assoziiert, in dem Fall: Ring = Abgrenzung eines Kampffeldes. Dann wird der Begriff auf einen neuen Kontext übertagen und dabei aber die eigentliche Bedeutung – indem Fall die Eigenschaft: „Kreisförmig“ ignoriert.

Ein ähnliches Beispiel ist der Begriff „Arena“: Arena hieß im Lateinischen ursprünglich einfach „Sand“. Irgendwann wurde mit dem Ausdruck das sandige Kampf- und Sportfeld in den Kollosseen bezeichnet. Und heute ist der Ausdruck gleichbedeutend mit „großer Veranstaltungsplatz“ – niemand, der heute in die „Porsche-Arena“ in Stuttgart oder in die „dm-Arena“ geht, erwartet eine sandige Fläche.

Oder: Am Wochenende endeten zwei Achtelfinalspiele durch Elfmeterschießen. Danach sprachen sowohl Spiegel-Online als auch tagesschau.de vom „Elfer-Krimi“ bzw. „Elfmeter-Krimi“. D.h. vom Ausdruck Krimi – eigentlich: Kriminalroman = eine Geschichte, die von Verbrechen handelt – wurde lediglich der Aspekt „spannend“ auf einen neuen Kontext übertragen und das ursprünglich begriffsprägende Merkmal „Verbrechen“ völlig ignoriert.

Ein Paradebeispiel für dieses sprachliche Phänomen ist übrigens der häufig anzutreffende Ausdruck „Busbahnhof“. Der ist ja eigentlich paradox: eine Bahnhöfe ist eine Station eine Bahn. Die korrekte Analogie für Busse wäre also Bushof gewesen. Aber zum Zeitpunkt, als Busse erfunden wurden, war der Bahnhof schon zum Synonym für alle Arten von großen Stationen – und so halten halten heute Busse an Bus-Bahn-höfen.

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Beantwortet von am 01.07.2014 in Geschichte und Archäologie, Sport und Bewegung, Sprache und Redewendungen, Stichworte: , , .

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