Wie wird Krebs vererbt?

von Claus Bartram am 26.06.2014, Kommentar hinzufügen

Es wird natürlich nicht der Krebs als Tumor vererbt, sondern eine bestimmte genetische Veränderung, die anfällig macht für weitere Störungen. Die bedeuten ein hohes Risiko, dass man im Laufe des Lebens Krebs bekommt.

Nehmen wir als Beispiel die erbliche Brustkrebsform. Das ist der häufigste Tumor bei Frauen – jede zehnte Frau wird in ihrem Leben einen Brustkrebs bekommen, und von diesen sind etwa fünf Prozent erblich bedingt. Das heißt, hier gibt es zwei wesentliche Gene, die nennt man BRCA1 und 2.

Wenn eine Frau eine Störung in diesen Genen hat, dann hat sie ein 80-prozentiges Risiko, im Laufe ihres Lebens Brustkrebs zu bekommen. Also nicht 100 Prozent, aber

80 Prozent. Das ist natürlich relativ viel.

An diesem Beispiel kann man aber auch deutlich machen, wie unterschiedlich Risiken dargestellt werden können. Wenn Sie das so erklären, dann könnten Sie auch sagen, eine Frau hat ein 8-fach erhöhtes Risiko, ein Mann aus derselben Familie, mit derselben genetischen Veränderung, hat ein 100-fach erhöhtes Risiko. Das klingt dann so, als wenn Männer ein echtes Problem damit hätten, das ist aber nicht der Fall. Woran liegt das? Weil Frauen ein sehr hohes Basisrisiko haben, wie wir sagen, also 10 Prozent, und 8-fach von 10 Prozent ist eben 80 Prozent, während Männer ganz, ganz selten an Brustkrebs erkranken. Dann ist eben 100-fach von ganz, ganz selten immer noch nicht viel, nämlich 5 Prozent.

Sie sehen also, eine genetische Veränderung muss man immer im ganzen Kontext sehen. Wir sprechen von der Durchschlagskraft einer genetischen Veränderung, der sogenannten Penetranz, und die ist eben bei Frauen 80 Prozent, und dieselbe genetische Veränderung, in derselben Familie, bei Männern nur 5 Prozent.

Diese Penetranz gilt natürlich auch für andere Krankheiten, oder?

Ja. Es ist also nicht jede genetische Veränderung gleichbedeutend mit der Aussage: Daran wird man dann auch erkranken. Da gibt es sehr, sehr große Unterschiede. Und es gibt natürlich genetische Erkrankungen, die mit einer 100-prozentigen Penetranz oder Wahrscheinlichkeit des Erkrankens behaftet sind, dazu gehört zum Beispiel eine neurologische Erkrankung, die Chorea Huntington. Aber es gibt eben auch welche mit nur wenigen wenigen Prozent. Und dann muss man sich überlegen, was das eigentlich bedeutet? Will ich überhaupt wissen, dass ich ein 10-prozentiges Risiko für Alzheimer habe, ein 5-prozentiges für irgendeine Krebsform? Das sind dann genau die Fragen, die wir in der genetischen Beratung mit den Ratsuchenden klären müssen.

Verbundene Medien

Informationen zu dieser Antwort:

Beantwortet von Claus Bartram am 26.06.2014 in Gesundheit, Medizin, Körper, Stichworte: , , , , , , , , , , , , .

Weitere Möglichkeiten:

Antwort drucken

Kommentare zu „Wie wird Krebs vererbt?“

Noch sind keine Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

Kommentar schreiben

Name und Email müssen angegeben werden, die Email-Adresse wird nicht innerhalb der Kommentare angezeigt.

*