Die europäischen Eroberer haben tödliche Seuchen in Amerika eingeschleppt. Warum blieben sie umgekehrt von amerikanischen Erregern verschont?

von Gabor Paal am 15.01.2014, Kommentar hinzufügen

Die Krankheiten, die die Europäer nach Amerika gebracht haben, hatten katastrophale Auswirkungen auf die Ureinwohner. Die Europäer brachten Krankheitserreger mit, die es vorher auf dem amerikanischen Kontinent nicht gab: Pocken, Grippe, Masern und Cholera. Gerade die Pocken haben die indianische Urbevölkerung dezimiert – es sind weitaus mehr Azteken und Inkas an eingeschleppten Krankheiten gestorben als durch die Waffen der Spanier. Die Krankheitserreger waren neben den Waffen und den Pferden der Europäer ein wichtiger Faktor, der dazu beigetragen hat, dass die zahlenmäßig unterlegenen Europäer die Neue Welt so leicht erobern konnten.

Und wie war es umgekehrt? Gab es keine typisch amerikanischen Krankheitserreger, mit denen sich die Einwanderer angesteckt haben?

Mag sein, dass es auch in Amerika Erreger gab, die den Europäern zu schaffen machten – es könnte sein, dass zum Beispiel die Syphilis ein Import aus Amerika ist. Aber im Großen und Ganzen haben tatsächlich die Europäer die Amerikaner mit neuen Krankheiten infiziert und nicht umgekehrt. Das liegt daran, dass Europäer eine ganz andere Vorgeschichte hatten: Als Kolumbus nach Amerika kam, hatten die Menschen in Eurasien schon fast 10.000 Jahre Ackerbau und Viehzucht betrieben und schon einige 1.000 Jahre in Städten auf dichtem Raum zusammengelebt. Und das sind die zentralen Brutherde für neue Krankheiten. Ein Beispiel aus heutiger Zeit ist die Vogelgrippe – das ist ein Erreger, der aus asiatischen Geflügelfarmen stammt und bei dem die Sorge besteht, dass er früher oder später so mutiert, dass er auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist. So war es früher auch: Dort, wo Menschen auf engem Raum und in großer Nähe zu dichten Tierherden zusammenleben, können sich aus harmlosen Viren und Bakterien lebensgefährliche Erreger entwickeln wie eben die Pocken oder die Grippe.
Natürlich war die Tierhaltung vor ein paar Tausend Jahren noch nicht ganz so intensiv und die Städte bei weitem nicht so groß wie heute, trotzdem: Europäer und Asiaten haben mit diesen Dingen viel früher angefangen als die indianischen Kulturen und hatten deshalb als Nebenprodukt zahllose gefährliche Erreger unfreiwillig herangezüchtet. Masern und Pocken sind vermutlich irgendwann von Rindern auf den Menschen übergegangen, die Grippe von den Schweinen. Und in Europa gab es zudem einen weitverzweigten Handel, der die Ausbreitung solcher Seuchen ebenfalls förderte. Das alles gab es im vorkolumbianischen Amerika nicht. Zwar hatten die Inkas, die Azteken und andere amerikanische Kulturen auch schon ausgeklügelte landwirtschaftliche Systeme, aber längst nicht so lange, und gerade was die Tiere angeht, war das alte Amerika kaum mit züchtbaren Tieren gesegnet. Die Europäer hatten Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine und das schon seit Jahrtausenden – in Südamerika dagegen gab es praktisch nur das Lama und in Mexiko den Truthahn, aber beide wurden nicht in großen Herden gehalten. Und es gab auch nicht so weite Handelsnetze. Das alles führte dazu, dass die Europäer nicht nur neue Krankheitserreger im Gepäck hatten, sondern dass sie in ihrer Geschichte schon einige Epidemien durchgemacht hatten – man denke an die Pest im Mittelalter – und als Folge gewisse Abwehrkräfte entwickelt hatten, während die indianische Bevölkerung den eingeschleppten Krankheiten absolut schutzlos ausgeliefert war.

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Beantwortet von Gabor Paal am 15.01.2014 in Frag den Paal !, Geschichte, Medizin, Stichworte: , , , , , , , , , , , , , .

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