Wie ökologisch sind Biogasanlagen?

von Klaus Wiesen am 26.09.2013, 2 Kommentare

Diese Frage ist durchaus umstritten. Betrachten wir zunächst den ökologischen Rucksack: Wir haben Analysen von Biogasanlagen erstellt und kamen zu folgendem Ergebnis: Etwa 500 Kilogramm* pro produzierter Megawattstunde einer solchen Biogasanlage fallen an für den Bau der Anlage, für Treibstoff der Traktoren. Damit steht man in Vergleichen sehr gut da. Wenn man aber die nachwachsenden Rohstoffe, also Mais, Roggen, Gräser etc, die man dort reinwirft, berücksichtigt, kommt man auf ungefähr 2 Tonnen pro Megawattstunde. Und damit ist die Biogasanlage zumindest unter den erneuerbaren Energien die ungünstigste Form der Energieerzeugung.

Wenn man sie aber wiederum mit einem Kohlekraftwerk vergleicht, vielleicht sogar mit einem Braunkohlekraftwerk, steht man wieder sehr gut da. Denn ein Braunkohlekraftwerk hat einen ökologischen Rucksack von etwa 11 Tonnen pro Megawattstunde, ist also um ein Vielfaches schlechter.

Allerdings gibt es noch weitere Kriterien zu berücksichtigen. Eine wichtige Rolle spielt hier der Flächenverbrauch dieser Biogasanlagen, gerade vor dem Hintergrund, dass man diese Flächen mehr und mehr für Nahrungsmittel benötigt. Daher ist es wichtig, dass diese Biogasanlagen regional betrieben werden, das heißt, dass der Bauer die Anlage möglichst mit seinen eigenen Feldern betreiben kann, die im Umkreis der Anlage liegen und er nicht irgendwelche nachwachsenden Rohstoffe aus Brasilien einschiffen lässt, wofür dann im schlimmsten Falle auch noch Regenwald gerodet wurde.

Das ist allerdings in Deutschland im seltensten Fall so; die Rohstoffe stammen von deutschen Feldern. Trotzdem: Mit einer PV-Anlage (Photovoltaikanlage) oder einer Windenergieanlage ist man besser beraten.

Welche Form der Energiegewinnung ist aus ökologischer Sicht am sinnvollsten?

Die Windenergieanlagen gehen hier als Sieger hervor. Deren ökologischen Rucksack liegt bei ungefähr 100 Kilogramm pro produzierter Megawattstunde. Allerdings ist hier wiederum zu bedenken, dass die Windenergieanlage nicht kontinuierlich Energie erzeugt. Solche Lücken, bedingt durch Windflauten, kann man z.B. sehr gut mit einer Biogasanlage kompensieren, weil die ihr Gas speichert und dann den Strom bedarfsgerecht produzieren kann.

Insofern ist dieses Gefüge aus Biogasanlage, Photovoltaik und Windenergieanlage sehr sinnvoll. Man sollte also die Biogasanlage nicht verteufeln, nur weil der Wert alleine relativ schlecht ist.

Wenn die Entwicklung der der Speichertechnologien voranschreitet, also z.B. Batteriespeicher, Druckluftspeicher o.ä., sodass man den Strom gut speichern kann, dann werden die Biogasanlagen sicher ihre Bedeutung verlieren.

*Der „ökologische Rucksack“ i. d. Sinne drückt das Gewicht aller natürlichen Rohstoffe aus, die für den jeweiligen Konsum anfallen – in dem Fall für den Konsum einer MWh Strom. 

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Beantwortet von Klaus Wiesen am 26.09.2013 in Umweltschutz, Stichworte: , , , , , .

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Kommentare zu „Wie ökologisch sind Biogasanlagen?“

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Roland Plank schreibt am 04.11.2014

Ich denke, dass man die Sache differenzierter sehen muss. Viele Biogasanlagen werden mit organischen Abfaellen und Wirtschaftsduenger (zB Kuhmist) betrieben. Diese Anlagen koennen oekologisch ohne weiteres mit anderen erneuerbaren Anlagen mithalten. Reine Guelleanlagen koennen sogar ohne Beruecksichtigung der Stromerzeugung als klimahausgassenken angesehen werden, da das austretende Methan verstromt wird.

Joris schreibt am 21.02.2017

„Etwa 500 Kilogramm pro produzierter Megawattstunde einer solchen Biogasanlage fallen an für den Bau der Anlage, für Treibstoff der Traktoren“
500 Kilogramm was??

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