Ist Religion deswegen wieder „in“, weil der Sozialismus ein Auslaufmodell ist?

von Karl-Josef Kuschel am 26.03.2009, Kommentar hinzufügen

Sind Menschen heute vielleicht doch wieder religiös, auch weil der Sozialismus als Zukunftsmodell ausgedient hat und weil sich die Wissenschaftsgläubigkeit auch als Irrtum herausgestellt hat?

Ja, wir haben ja auch grandiose Irrtümer hinter uns. Viele Menschen haben ja begriffen, dass diese Großideologien, wie man sie genannt hat, nämlich den Glauben an einen ewigen gesellschaftlichen Fortschritt – sprich Sozialismus – der Glaube an einen ewigen technischen Fortschritt – sprich Wissenschaftsgläubigkeit – der Glaube an einen ewigen ökonomischen Fortschritt – sprich Weltfinanzkrise – zum Teil auf grandiosen Selbsttäuschungen beruhte. Wir haben da eine Phase der Entzauberung durchgemacht, der Ernüchterung; viele sprechen ja von einem postideologischen Vakuum.

Das heißt, die Götzen bzw. diejenigen, die man zu Götzen erhoben hat, sind radikal entmythologisiert worden. Und damit haben tiefere Fragen, nämlich nach letzten Bindungen, vor allem nach Bindungen, die krisenfester sind, nach stabilen Werten, nach Orientierung, die nicht an den Tag gebunden ist, sondern die über den Tag hinaus geht, haben vielleicht neue Chancen bekommen. Ich würde mir das jedenfalls wünschen, dass man die Krise als Chance begreift.

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Beantwortet von Karl-Josef Kuschel am 26.03.2009 in Religion, Stichworte: , , , .

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