Wie lässt sich messen, ob Religiosität zu- oder abnimmt?

von Karl-Josef Kuschel am 26.03.2009, Kommentar hinzufügen

Welche Maßstäbe legen Sie an, um die Zunahme oder den Rückgang von Religiosität festzustellen? Geht es dabei allein darum, wie voll die Kirchen sind?

Nein. Man muss grundsätzlich unterscheiden zwischen Kirchlichkeit auf der einen Seite und Religiosität auf der anderen Seite. Kirchlichkeit setzt eine Identifikation mit der kirchlichen Lehre und eine Bindung an die Institution voraus, auch eine Loyalität, ein Engagement. Und statistisch gesehen betrifft das heute nur noch einen geringen Teil der Bevölkerung – sowohl katholisch als auch evangelisch – aber auf der evangelischen Seite ist die Bindung noch schwächer geworden.

Aber Religiosität, also die inneren Einstellungen, die religiösen Gefühle, die Sehnsüchte, auch vielleicht Ängste, die Träume – all das, was mit letzten Fragen zu tun hat, die mich ganz persönlich angehen, die Frage nach Schuld, nach Tod, nach Liebe, Barmherzigkeit – all diese existenziellen Grundfragen – das treibt viele Menschen nach wie vor um. Und da sind Statistiken sehr schwer zu greifen und auch sehr schwer festzustellen, wie hoch die Prozentsätze sind. Nach meiner Lebenserfahrung stellen sich Menschen diese Urfragen. Und insofern bleibt die Frage der Religion nach letzten Bindungen, nach letzten Überzeugungen wach. Auch in unserer sogenannten säkularen Gesellschaft.

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Beantwortet von Karl-Josef Kuschel am 26.03.2009 in Religion, Stichworte: , , , .

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