Ist die Fünfjahresregel z.B. bei Mamma-Ca (Brustkrebs) noch aktuell?

von Otmar D. Wiestler am 18.04.2013, 2 Kommentare

Über lange Zeit, als die Behandlung von Krebs noch schwieriger war und es sehr viel seltener vorkam, dass wir jemanden über fünf Jahre von seiner Krankheit befreien konnten, war man der Auffassung, dass nach fünf Jahren diese magische Grenze erreicht sei: Wenn bis dahin keinerlei Hinweis für noch bestehende Krebserkrankungen oder einen Rückfall auftraten, konnten Sie davon ausgehen, dass Sie geheilt sind.

Das gilt auch heute noch für die Mehrzahl aller Krebserkrankungen. Wenn Sie im 4. und 5. Jahr keinerlei Hinweise auf eine Krebserkrankung mehr hatten ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Erkrankung noch einmal auftritt. Aber ausgeschlossen ist es nicht.

Gerade bei Brustkrebs gibt  es immer wieder die Situation, dass eine Frau erfolgreich behandelt erscheint und bereits nach wenigen Monaten frei ist von Tumorgewebe; auch in den jährlichen Untersuchungen gibt es keinerlei Hinweis für Restkrebs im Körper oder einen Rückfall. Und nach 10 Jahren gibt es plötzlich Knochenschmerzen oder Schmerzen im Bauch, weil die Leber eine Spannung aufweist. Das sind seltene Situationen, wo offenbar schlafende Krebszellen über lange Zeit in Organen liegen geblieben sind. Die haben sich offenbar schon früh vom Krebs der Brustdrüse abgelöst, also bevor die Operation überhaupt durchgeführt wurde. Sie werden ausgeschwemmt in verschiedene Gewebe, in das Knochenmark z.B. oder in die Leber. Über viele Jahr bleiben sie ruhig liegen und wachen dann plötzlich auf.

Das ist ein sehr intensiver Forschungsgegenstand im Moment. Was wir gerne wissen wollen ist: Welche Zellen sind das? Welche Zellen schaffen es überhaupt, wenn sie ausgeschwemmt werden, im Knochenmark oder in der Leber am Leben zu bleiben? Warum schlafen die über zehn Jahre? Und was führt dazu, dass die dann plötzlich wieder anfangen zu wachsen?

Wir haben gewisse Vorstellungen darüber und es gibt auch wichtige Forschungsprojekte dazu. Aber beantworten können wir diese Fragen nicht. Natürlich hätten wir gerne Möglichkeiten, nach einer erfolgreichen Behandlung sehr viel besser feststellen zu können: Sind wirklich alle Krebszellen beseitigt oder sind doch noch einige im Körper liegen geblieben?

Im Moment muss man sagen: Wenn Sie die fünf Jahre ohne Rückfall überstanden haben ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Sie die Krankheit insgesamt überstanden haben – aber sie ist nicht null. Und Sie müssen sich deshalb mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin bzw. dem Onkologen drauf verständigen, in welchen Zeitabständen Sie weitere Kontrolluntersuchungen durchführen wollen? Und wenn Ihnen irgendwas auffällt, müssen Sie natürlich sofort den Arzt wieder aufsuchen.

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Beantwortet von Otmar D. Wiestler am 18.04.2013 in Gesundheit, Medizin, Körper, Stichworte: , , , , , , , , , , , , .

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Kommentare zu „Ist die Fünfjahresregel z.B. bei Mamma-Ca (Brustkrebs) noch aktuell?“

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Eva Schumacher-Wulf, Mamma Mia! Das Brustkrebsmagazin schreibt am 21.04.2013

Seit Jahren kämpfen Patientengruppen gegen diese – lange überholte – Fünfjahresregel, die insbesondere bei hormonabhängigem Brustkrebs nicht haltbar ist. Sie wirkt sich jedoch, solange sie besteht, auf sämtliche Leistungen des Gesundheitssysems aus – Heilschonfrist endet nach fünf Jahren, die Nachsorge wird offiziell eingestellt und auch im täglichen Leben wird davon ausgegangen, dass betroffene Frauen nach fünf Jahren wieder „ganz normal funktionieren“. Tatsächlich ist es so, dass die wenigsten Frauen nach fünf Jahren komplett mit der Krankheit abgeschlossen haben. Selbst wenn keine Krebszellen mehr nachweisbar sind, wirken sich die Nebenwirkungen der Therapien häufig auch nach fünf Jahren auf die Lebensqualität aus, psychisch belastet diese Krankheit die Betroffenen meist ein Leben lang. Daher fordern auch wir, die Herausgeber des Brustkrebsmagazins Mamma Mia!, dass diese Regel bei Brustkrebs aufgehoben wird und die Frauen so lange Unterstützung bekommen, wie sie sie brauchen!

Sabine K. schreibt am 19.11.2013

Guten Tag,

als Betroffene kann ich Frau Schumacher-Wulf nur zustimmen. Die Langzeitauswirkungen – vor allem der Chemotherapie – und die immer wiederkehrenden Angst (trotz allem Optimismus) sind sehr belastend, auch nach 6 Jahren noch…

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