Wie konnte man in der Barockzeit ohne elektrische Pumpen Wasserspiele betreiben?

von Gabor Paal am 20.03.2009, 3 Kommentare

Mich würde interessieren, wie man in den Zeiten des Barock die wunderbaren Wasserspiele in den Gärten und Parkanlagen mit meterhohen Fontänen realisieren konnte. Es gab ja keine starken Pumpen, Motoren o.ä. …

Wenn man keine Motoren und keine elektrischen Pumpen hat, dann braucht man, um eine Fontäne anzulegen, vor allem eines: Ein ordentliches Gefälle, d.h. eine Höhendifferenz, so dass das Wasser von irgendwo oben runterrauscht. Und dann brauchen sie noch die entsprechenden Rohre, mit denen sie das Wasser entsprechend kanalisieren und unter Druck setzen können, sodass es mit ordentlich Power aus dem Fontänenrohr wieder rausspritzt.

Also das Hauptproblem, was zu lösen ist, heißt: Wie krieg ich das Wasser in die Höhe? Und da gibt’s grundsätzlich zwei Möglichkeiten, entweder das Wasser ist schon oben und man muss es nur runterplätschern lassen – das kann man z.B. sehr schön im Schlosspark Wilhelmshöhe in Kassel sehen mit der großen Fontäne, die ja heute noch funktioniert. 52 Meter hoch, die höchste natürliche Fontäne Europas, angelegt im 18. Jahrhundert. Wie funktioniert’s? – Der ganze Schlosspark, wer schon mal da war, ist ja an den Hängen des Habichtswalds angelegt. Und da ist es so: Oben, auf den Höhen des Habichtswalds, sind große Sammelbecken. Da wird das Wasser über speziell angelegte Kanäle hingeleitet. 40.000 Kubikmeter Wasser passen in diese Sammelbecken hinein, und zu bestimmten Zeiten wird das Wasser ins Tal gelassen, über die Wasserspiele bis zum Fontänenteich.

Das ist schon aufwendig genug, aber die andere Variante ist noch aufwendiger. Wenn Sie nämlich kein natürliches Gefälle haben wie in Kassel, dann müssen Sie das Wasser in der Tat erst mal auf eine Höhe hochpumpen. Auch das geht ohne Strom, die Techniken dafür gab’s schon bei den alten Römern. Sie können ja auch mit Hilfe von Wasserkraft Wasserräder betreiben, die dann das Wasser in die entsprechende Höhe hochpumpen. Und das eindrücklichste Beispiel hierfür wiederum wäre Versailles. Da hat sich der französische Sonnenkönig einen Mordsaufwand geleistet – und das schon 1682. Er hat an der Seine ein wasserkraftbetriebenes Wasserhebewerk errichtet, bestehend aus 14 großen Wasserrädern, die das Wasser über mehrere Stufen auf eine Höhe von 160 Metern befördert haben. Das war ein gigantischer Aufwand, Wälder wurden gerodet, tausende von Kilometern Rohre verbaut, fast 2000 Arbeiter haben da 5 Jahre lang dran gearbeitet, und das alles, damit vor Schloss Versailles das Wasser in die Höhe schießt.

Informationen zu dieser Antwort:

Beantwortet von Gabor Paal am 20.03.2009 in Architektur und Bauen, Geschichte und Archäologie, Mathematik und Physik, Stichworte: , , , .

Weitere Möglichkeiten:

Antwort drucken

Kommentare zu „Wie konnte man in der Barockzeit ohne elektrische Pumpen Wasserspiele betreiben?“

Es sind 3 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

Gerhard Hettrich schreibt am 23.02.2015

Die Höhe muss vorhanden sein um den Druck für eine Fontaine zu erzeugen.
Ich denke aber an Herrenchiemsee, wo Wasserspiele installiert wurden
zu deren Funktion weder Höhengefälle noch fließendes Wasser zu betreiben einer Pumoe vorhanden ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen dass eine Wasserleitung in den See gelegt wurde um von außen eine
Wasserzufuhr zu ermöglichen.

Gerhard Hettrich schreibt am 28.02.2015

Wie kann das dann auf Herrenchiemsee gehen. Hier sind weder Gefälle noch Fließgewässer als Antrieb denkbar?

Gabor Paal schreibt am 03.03.2015

Herrenchiemsee wurde ja später gebaut. Aber es wurde auch dort für ein Gefälle gesorgt. Ich zitiere: „Für die Versorgung der Wasserspiele wurde am Ostufer der Insel ein Pumpwerk erbaut und im Wald ein Wasserturm errichtet. Mit Hilfe eines Dampfmotors
wurde das Wasser aus dem Chiemsee in den Hochbehälter gepumpt. Auf diese Weise konnten die Wasserspiele
so lange betrieben werden bis der Behälter leer war und wieder aufgefüllt werden musste. Dieser
Kreislauf wiederholte sich mehrmals täglich.“ http://www.gas-und-wasser.net/app/download/9622667821/gws_02-2012_druck.pdf?t=1410971545

Kommentar schreiben

Name und Email müssen angegeben werden, die Email-Adresse wird nicht innerhalb der Kommentare angezeigt.

*