War die Erfindung der Bronze ein Zufall?

von Hans R. Kricheldorf am 22.02.2013, Kommentar hinzufügen

Wir wissen heute, dass die Kupferzeit von der Bronzezeit „eingeholt“ wurde – und zwar von Anatolien beginnend über den Balkan und dann über die Alpen. Zuerst lernte der Mensch also, Kupfer zu gewinnen. Und dann begann er, dieses Kupfer (das ja interessante Eigenschaften hat, aber für manche Zwecke nicht gut genug ist, zum Beispiel nicht hart genug, um als Waffe zu dienen) in seinen Eigenschaften zu variieren, um es für mehrere Anwendungen, zum Beispiel als Waffe, besser nutzen zu können.
Das war ein Lernprozess, der sich über Jahrhunderte und Jahrtausende hinzog.
Wie aber kam der Mensch zum Kupfer? Zum einen gibt es gediegenes Kupfer in winzigen Mengen in der Natur. So konnte der Mensch in Vulkangebieten durch Zufall metallischem Kupfer begegnen. Diese Mengen waren viel zu klein, als dass er es technisch hätte nutzen können. Aber er kam immerhin damit in Berührung. Zum anderen befinden sich Kupferlagerstätten typischerweise an der Erdoberfläche, wo sie durch ihre blaugrüne Färbung auffallen. Das hat sicher die Neugier des Menschen geweckt: Woher stammt die Färbung? Was steckt dahinter? So begann er, zu experimentieren und hat dann vielleicht mal an einer Feuerstelle Kupfertröpfchen entdeckt.

Aus welcher Zeit stammen diese Zufallsfunde?

Die frühesten Versuche, Kupfer zu gewinnen, stammen aus dem Gebiet der Zentraltürkei, etwa aus der Zeit 7.000 vor Christus. Die Bronzezeit war bei uns in Zentraleuropa 2000 vor Christus. Dazwischen liegt also eine große Zeitspanne, in der der Mensch immer mehr dazugelernt hat.
Die Kupfererze, die der Mensch verwertet hat, sind – je nach der Lagerstätte – unterschiedlich zusammengesetzt. Sie können Verbindungen wie Arsen und Antimon enthalten, Blei, eventuell auch mal Zinn. So machte sich der Mensch sicher Gedanken darüber, warum das Kupfer vom Fundort A härter ist als das Kupfer vom Fundort B. Wahrscheinlich stimulierte ihn das, gezielter zu experimentieren.
Zinn ist ein sehr weiches, niedrig schmelzendes Metall ist, das nur an wenigen Fundorten vorkam. Aber wenn man dieses weiche Metall mit dem Kupfer mischt – sagen wir in einer Größenordnung von zehn Prozent – dann wird die Mischung aus beidem härter als beides. Das ist natürlich nicht vorhersehbar und das konnte der Mensch auch, egal ob mit oder ohne Computer, nicht berechnen. Da ist der Zufall mit im Spiel, der oft hilft, wenn man systematisch experimentiert.

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